Kein Sprit : 800.000 im Gazastreifen ohne Strom

Weil Israel die Diesel-Lieferungen an das einzige Kraftwerk des Gazastreifens eingestellt hat, muss die Anlage am Samstag abgeschaltet werden. Die Menschen in der Hauptstadt Gaza und in einem Flüchtlingslager sitzen im Dunkeln.

Gaza/Tel Aviv Das Kraftwerk wurde am Samstagabend wegen Treibstoffmangels abgeschaltet. Wie der Chef der palästinensischen Ölgesellschaft Mudschahed Salama erklärte, habe Israel seit Mittwoch keinen Dieseltreibstoff mehr an die Anlage geliefert. Von der Stromabschaltung sind etwa 800.000 der 1,5 Millionen Einwohner des Gazastreifens betroffen. Eine israelische Militärsprecherin erklärte, es sei noch unklar, wann die Diesellieferungen wieder aufgenommen werden könnten.

Wie die Sprecherin weiter erklärte, habe Israel keine genügende Dieselmengen geliefert, weil der Grenzübergang Nachal Oz, über den der Gazastreifen mit Treibstoff versorgt wird, erneut diese Woche von militanten Palästinensern angegriffen worden sei. Das Stromkraftwerk war bereits Mitte Januar für fast zwei Tage wegen Treibstoffmangels abgeschaltet worden. Der Gazastreifen wird außerdem mit Strom aus Israel und Ägypten beliefert.

Ägypten öffnet Grenzposten

Unterdessen wurde die seit Monaten geschlossene Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen am Samstag vorübergehend wieder geöffnet. Mehrere hundert gestrandete Palästinenser sollen den Grenzübergang Rafah bis Montag überqueren können. Die Maßnahme wurde bei Verhandlungen zwischen der radikalislamischen Hamas, die seit fast einem Jahr die Kontrolle über den Gazastreifen hat, und der ägyptischen Führung beschlossen. Am Samstag sollten zuerst schwer kranke Patienten die Grenze passieren, um in ägyptischen Krankenhäusern behandelt zu werden.

Rafah wurde im Juni 2007 nach der Machtübernahme der Hamas geschlossen. Mitte Januar sprengten Hamas-Mitglieder Löcher in die Grenzanlage. Hunderttausende Palästinenser strömten daraufhin zum Einkaufen ins Nachbarland. Nach einer Woche wurde die Grenze allerdings wieder abgeriegelt.

In der Nacht zum Samstag flog die israelische Luftwaffe zwei Angriffe auf Polizeistationen der Hamas in Rafah und Chan Junis im Süden des Gazastreifens. Dabei wurden fünf Palästinenser getötet und fünf weitere verletzt. Die Luftschläge waren nach Armeeangaben die Antwort auf einen palästinensischen Angriff auf den israelischen Kibbuz Kfar Aza, bei dem am Freitag ein Israeli getötet und drei weitere verletzt worden waren. (küs/dpa)

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