Politik : Kein Test für Blair

Bei der Kommunalwahl fürchten eher die Tories eine Schlappe

Matthias Thibaut[London]

Wenn am heutigen Freitag die Bilanz der britischen Regional- und Kommunalwahlen gezogen wird, dann dürfte das Ergebnis einigermaßen ernüchternd sein: Zwar waren die Wahlen vom Donnerstag als entscheidender Popularitätstest über die Irak-Politik des britischen Regierungschefs Tony Blair angekündigt worden – doch am Ende dürfte man froh sein, wenn die Beteiligung größer war als bei der Abstimmung in der erfolgreichen TV-Show „I am a celebrity, get me out of here".

38 Millionen Wahlbürger oder 80 Prozent der Briten sollten Regionalparlamente in Wales und Schottland und über 10 000 Gemeinderatssitze in England neu besetzen. In den neunziger Jahren war die durchschnittliche Beteiligung an Regionalwahlen auf unter 35 Prozent gesunken. Deshalb erhielten am Donnerstag fast sieben Millionen Wähler im bisher größten einschlägigen Wahlexperiment das Recht, per Handy, Computer oder Digital-TV zu wählen.

Das Desinteresse an der Wahl wurde verstärkt durch die erstaunliche Zufriedenheit der meisten Briten. Zwei von drei Befragten fanden den Krieg letztlich doch richtig, 78 Prozent halten ihren Lebensstandard für befriedigend, 63 Prozent glauben, dass die Wirtschaft weiter so gut laufen wird – und 77 Prozent sind laut der jüngsten Bestandsaufnahme der Meinungsforscher vom Institut Mori stolz, britisch zu sein.

Deshalb musste nicht Tony Blair, sondern der konservative Oppositionsführer Iain Duncan Smith das Wahlergebnis am meisten fürchten. Offiziell hoffte er nur auf 30 zusätzliche Sitze in den Gemeindewahlen – um so die Tories zur stärksten Partei in den englischen Kommunen zu machen. Doch wenn die Konservativen weniger als 200 Sitze hinzugewinnen, dürften die Konservativen anfangen, sich nach einem neuen Parteichef umzusehen. Seit Labours Amtsantritt im Jahr 1997 konnten sich die Tories nie mehr als ernsthafte Alternative präsentieren. Labour-Vize John Prescott bezeichnete den blassen und unbeholfenen Duncan Smith nun als „Labours beste Geheimwaffe".

Labour-Strategen werden vor allem das Verhalten der „New Labour"-Wähler der Mittelschicht studieren – Blairs Machtbasis. Sind sie aus Enttäuschung über wachsende Steuern und Abneigung gegen den Irakkrieg zu den Liberaldemokraten übergelaufen, wird dies bei Labour am Ende doch die Alarmglocken klingeln lassen.

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