Politik : „Kein Zweifel an Vorsatz Guttenbergs“

Berlin - Der Plagiat-Entdecker und Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano hat der Universität Bayreuth bei der Aufarbeitung des Guttenberg-Falls Versäumnisse vorgeworfen. „Die Universität hätte sich dem Täuschungsnachweis beim Titelentzug nicht entziehen dürfen“, sagte Fischer-Lescano dem Tagesspiegel am Freitag. Sie habe es sich und dem ehemaligen Verteidigungsminister zu leicht gemacht und „eine gute Gelegenheit verstreichen lassen, um das, was in diesem Promotionsverfahren ganz offensichtlich schiefgelaufen ist, geradezurücken. Eine klare Parteinahme für die Integrität der Wissenschaft hätte vorausgesetzt, dass man die Dinge zeitig und verbindlich beim Namen und eine Täuschung eine Täuschung nennt.“

Fischer-Lescano bezog seine Kritik auf den Titelentzug nach allgemeinem Verwaltungsrecht statt nach den Vorgaben der Bayreuther Promotionsordnung. „Das Argument, dass man den schnellen Weg gewählt habe, da der Nachweis des Täuschungsvorsatzes kompliziert sei, ist Augenwischerei. Bei einem intellektuellen Betrug dieser Größenordnung ist der Vorsatz evident.“ Der Bayreuther Staatsrechtler Oliver Lepsius habe dies in den letzten Tagen „mit bewundernswerter Gradlinigkeit immer wieder betont“. Es gebe keinen Grund, der im Fall Guttenbergs Zweifel am Vorsatz nähren würde, sagte der Jurist weiter.

Lepsius hatte als einziger Professor der Bayreuther Fakultät von „Betrug“ gesprochen. Derzeit untersucht ein wissenschaftliches Kontrollgremium der Uni den Fall. Daran gibt es Kritik, weil Guttenberg ein externer Doktorand gewesen sei und kein Mitglied der Universität. neu

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