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Keine Anklage nach Tod von Michael Brown : Proteste in Ferguson und 170 weiteren Städten

Zunächst beschränkten sich die Proteste gegen Polizeigewalt auf Ferguson - jetzt greifen sie auf andere US-Städte über. Der Polizist, der einen unbewaffneten Teenager erschossen hatte, meldet sich öffentlich zu Wort und hat ein reines Gewissen.

In zahlreichen US-Städten blockierten Protestierer in der Nacht den Verkehr.
In zahlreichen US-Städten blockierten Protestierer in der Nacht den Verkehr.Foto: Reuters

Die Wut über den Gerichtsentscheid im Fall des in Ferguson erschossenen Jugendlichen Michael Brown erfasst weite Teile der USA. Wie der Sender CNN berichtete, gingen Demonstranten in New York, Los Angeles, San Francisco sowie etwa 170 weiteren Städten auf die Straße. In vielen von ihnen legten die Menschen den Verkehr lahm.

Nachdem die Jury eine Anklage gegen den Todesschützen von Michael Brown abgelehnt hat, ist es in mehreren US-Städten zu Protesten gekommen. In New York gingen in der Nacht zum Mittwoch Hunderte auf die Straße. „Schickt den rassistischen Polizisten ins Gefängnis“, riefen die Menschen. Auch in Los Angeles gab es Proteste, nach Angaben lokaler TV-Sender wurden drei Menschen festgenommen. Die Demonstrationen verliefen zunächst aber überwiegend friedlich.

In der Kleinstadt Ferguson, wo der unbewaffnete schwarze Teenager vor drei Monaten von dem weißen Polizisten Darren Wilson niedergeschossen worden war, versammelten sich erneut zwischen 200 und 300 Menschen vor der Polizeistation. Als die Polizei die Menge aufforderte, die Straße zu räumen, kam es nach Angaben eines dpa-Reporters zu mindestens zwei Festnahmen. Auch in Atlanta, Boston, Denver und Dallas gab es Proteste, wie der TV-Sender CNN berichtete.

Darren Wilson meldet sich öffentlich zu Wort

In Ferguson waren in der Nacht auf Dienstag schwere Unruhen ausgebrochen. Es gab Plünderungen, Häuser wurden in Brand gesetzt. Auslöser war die Entscheidung einer Geschworenenjury, dass Wilson nicht angeklagt wird.

Ferguson brennt
Die Eltern des erschossenen schwarzen Teenagers Michael Brown haben entrüstet auf das Fernsehinterview des weißen Polizisten Darren Wilson reagiert. Wilsons Äußerungen über die von ihm abgegebenen tödlichen Schüsse auf ihren Sohn würden "alles nur noch schlimmer machen". In den USA haben sich viele Menschen solidarisiert und gehen auf die Straße, um ihren Ärger Luft zu machen.Weitere Bilder anzeigen
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26.11.2014 17:01Die Eltern des erschossenen schwarzen Teenagers Michael Brown haben entrüstet auf das Fernsehinterview des weißen Polizisten...

Dieser meldete sich erstmals öffentlich zu Wort. Er bedauere den Tod Browns, würde aber nicht anders handeln, sagte Wilson dem TV-Sender ABC. Er habe ein "reines Gewissen", weil er wisse, dass er seinen Job "richtig gemacht" habe, sagte Wilson am Dienstag dem US-Sender ABC. Wilson hatte Notwehr geltend gemacht. Danach gefragt, ob er auch so gehandelt hätte, wenn Brown weiß gewesen wäre, sagte der Polizist: "Ja, (...) keine Frage." Es war das erste Mal, dass sich Wilson öffentlich zu dem tödlichen Vorfall vom 9. August äußerte.

Wilson sagte dem Sender, er habe um sein Leben gefürchtet und deshalb auf den 18-jährigen Brown geschossen. Er beschrieb den Teenager als "kräftigen" Typen. "Er wollte mich töten", sagte der Polizist. Er habe befürchtet, dass Brown ihm seine Dienstwaffe entreißen und sie auf ihn richten könnte. Dass ihn die Tat verfolge, glaube er nicht, sagte Wilson. Der Vorfall werde etwas bleiben, das ihm nun einmal passiert sei.

Nationalgarde in Ferguson massiv verstärkt

Um erneute Unruhen in Ferguson zu verhindern, wurde die Nationalgarde in der Kleinstadt massiv verstärkt worden. Es würden 2200 Soldaten in der Kleinstadt und Umgebung stationiert, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Missouri, Jay Nixon. Am Vortag waren es lediglich 700. „Die Gewalt, die wir gesehen haben, darf sich nicht wiederholen“.

Barack Obama verurteilt gewaltsame Proteste

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Ausschreitungen und Plünderungen - dafür gebe es keine Entschuldigung. Wer Autos in Brand steckt und Geschäfte plündert, müsse bestraft werden. „Ich habe keinerlei Sympathie für diejenigen, die ihre eigene Gemeinde zerstören“, sagte Obama in Chicago. Er verwies aber auch auf Polizeigewalt und juristische Ungerechtigkeit gegenüber Minderheiten in den USA. „Dieses Problem ist nicht ein Ferguson-Problem, das ist ein amerikanisches Problem.“ Zur Entscheidung der Geschworenenjury äußerte er sich nicht.

Allerdings machte Justizminister Eric Holder klar, dass das juristische Nachspiel noch nicht beendet sei. Zwei laufende Ermittlungen auf Bundesebene gingen weiter. Bei den Verfahren geht es um den Tod des 18-jährigen Brown Anfang August sowie um die Reaktion der Polizei bei darauf folgenden Unruhen. (dpa/AFP)

Unser Korrespondent Lukas Hermsmeier twittert live aus Ferguson.

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