Politik : Keine Annäherung zwischen Muslimen und Kirche

Andrea Dernbach

Berlin - Das jüngste Treffen zwischen der evangelischen Kirche und den deutschen muslimischen Verbänden hat keine Verständigung über wesentliche Streitpunkte gebracht. Die vier wichtigsten Organisationen der Muslime hatten im Februar einen Gesprächstermin mit dem EKD-Ratsvorsitzenden, dem Berliner Bischof Wolfgang Huber, aus Ärger über einen Text der Kirchenleitung zum Umgang mit den Muslimen abgesagt.

Beim Treffen am Mittwoch in der Mannheimer Yavuz-Sultan-Selim-Moschee sagte Huber, das Papier habe dem Dialog gedient und nicht geschadet. Das Mannheimer Gespräch habe mehr Substanz gehabt. Der frühere Synodenpräses der EKD und Verantwortliche für die Handreichung, Jürgen Schmude, betonte allerdings, das Papier enthalte keine abschließende Beurteilung, sondern sei ein Anstoß zur Diskussion. Finde man ausreichend Gründe, könne es auch Änderungen geben. Der gemeinsame „Koordinationsrat der Muslime“ hatte der Kirche in der vergangenen Woche vorgeworfen, sie bediene das Klischee vom gewalttätigen Islam. Auch die Betonung der christlichen Missionsaufgabe gleich zu Beginn des Textes konterkariere die Einladung zum Dialog.

Beim Treffen in Mannheim ging es nach Informationen des Tagesspiegels im wesentlichen um das Thema Religionsfreiheit, konkret um die Möglichkeiten von Muslimen, zum Christentum überzutreten, ohne Repressalien ausgesetzt zu sein. Muslimische Gesprächsteilnehmer sagten, sie teilten die Sorge des EKD-Vorsitzenden Huber. Das Problem gebe es aber auch umgekehrt: Auch hierzulande komme es vor, dass sich Familien von einem Mitglied lossagten, das sich zum Islam bekenne.

Einvernehmen gab es zwischen Kirche und Muslimen, dass die Gespräche fortgesetzt würden, in Zukunft auf Einladung beider Seiten im Wechsel. Das nächste Gespräch auf hoher Ebene soll spätestens in einem Jahr stattfinden. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, zeigte sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel über die offene Auseinandersetzung in Mannheim zufrieden: „Es krachte ordentlich, aber das ist auch gut so.“ Andrea Dernbach

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