Politik : Keine Aussicht auf Übernahme

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Was macht die Welt? Insgesamt ist ihr ein wenig schwindlig, sie hat leichte Temperatur und zeigt allergische Reaktionen bedenklichen Ausmaßes. Dieser Zustand scheint chronisch, Besserung ist nicht in Sicht; in der Terminologie der Wirtschaft würden wir von einem Übernahmekandidaten sprechen. Nur ist leider niemand in Sicht, der das ganze Ding kauft, denn selbst Bill Gates dürfte diesen Deal nicht stemmen können.

Möglicherweise ist dies der Hintergrund für den Versuch des Senders Arte, Hilfe sehr weit draußen zu suchen. Heute um 20 Uhr 45 zeigt er eine Sendung über den Menschen und wie es ihm so geht – sie wird per Parabol-Antenne auch zum Stern Errai geschickt, der irgendwo zwischen Kassiopeia und Großem Bär herumfliegt und als mögliches Alien-Biotop gilt.

Nun mag es sein, dass es dort droben wirklich intelligentes Leben gibt, irgendwelche Kerls mit großen Köpfen, die friedlich zusammenleben und womöglich sogar einen Plan für ein finanzierbares Gesundheitswesen sowie das Rezept für den definitiven Toast Hawaii gefunden haben. Was werden sie tun, wenn die Sendung im Jahr 2051 bei ihnen eintrifft? Wenn sie auf zwei gezeichnete nackte Menschen blicken, die ihnen von der Erde erzählen und „Schaut mal vorbei!“ rufen?

Sie werden wegschauen und nicht vorbei. Oh, werden sie rufen, wir haben den Menschen damals diese wundervoll runden Kornkreise getrampelt, wir haben unseren Außenminister Erich von Däniken heruntergeschickt und Untertassen fliegen lassen ohne Ende – und wofür? Die sollen mal sehen, wie sie allein zurechtkommen.

Richtig ist zweifellos, dass das Interesse an Außerirdischen in den letzten Jahren stark abgeflaut ist. Das liegt sicher zum Teil daran, dass die notorischen Ufo-Gucker völlig damit ausgelastet sind, innerirdische Verschwörungen von CIA, NSA und Mossad aufzudecken und deshalb kein Auge mehr fürs All haben. Aber wir müssen wohl in der Tat annehmen, dass vor allem die Aliens selbst den Spaß an der Erde verloren haben und uns vorsätzlich allein lassen, zurückgeworfen auf uns selbst.

Ob der Arte-Vorstoß daran etwas ändert? Vermutlich ist die Sendung zu volkshochschulhaft, um droben neues Interesse zu wecken. Dabei hätten wir ganz anderen Stoff, „Desperate Housewives“ oder „Sex and the City“. Das zum Errai gefunkt – und die Erraier stehen so ums Jahr 2096 mitten unter uns. Jedenfalls, wenn es uns dann noch gibt.

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