Politik : Keine Doublette

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Peter Glotz ist zwar manchmal ein bisschen nervig, aber eigentlich ein ganz kluger Kerl. Es hat uns darum doch ein wenig befremdet, dieser Tage eine Meldung zu lesen mit der Überschrift „Glotz fordert zweites Godesberg von SPD“. Befremdet hat es uns vor allem, weil der Glotz doch das erste Godesberg noch ganz gut kennen müsste. Godesberg, genauer: Bad Godesberg, unbedeutendes Römerlager am Rhein, urkundlich erstmals erwähnt 722, im Besitz einer Burgruine, einer barocken Redoute mit Stadtpark, einer Heilquelle, die auf Herz und Nieren geht, einer Beton-Einkaufszone mit ähnlichen Nebenwirkungen sowie eines Kinopalasts – Bad Godesberg also ist schon zu Peter Glotzens großen Zeiten als SPD-Bundesgeschäftsführer Bonns Diplomaten-Schlafstadt gewesen. Man hat da sehr gediegen wohnen können, ein bisschen grunewaldisch, wenn auch in rheinisch bescheidenerem Maßstab. Für alles andere, was der Mensch zum Leben braucht, gibt es Bahnverbindungen nach Köln. Ach ja, und eine Stadthalle haben sie, in der die SPD seinerzeit 1959 sich versammelt hat zur Verabschiedung des legendären Godesberger Programms. Wir möchten trotzdem den Peter Glotz bitten, sich das mit seiner Forderung noch einmal zu überlegen. Sicher, es gibt im Brandenburgischen rund um die neue Hauptstadt mancherlei Brachland, in dem sich eine Art Disney-Zweitgodesberg errichten ließe, mit Pappmaché-Ruine, Herz-und-Nieren-Quelle, original betonierter Fußgängerzone und natürlich der Stadthalle. Aber die SPD ist heute viel größer geworden, die würde mit einem Parteitag gar nicht mehr da reinpassen. Nee, Peter Glotz – ein Bad Godesberg ist vollauf genug. Der SPD sowieso.

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