Politik : Keine Entwarnung für Bio-Landwirte

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Berlin/Schwerin (bib/fro/dpa). Trotz weitgehender Klärung des größten Skandals der deutschen Öko-Branche können die Behörden noch keine Entwarnung geben. Die Norddeutsche Saat- und Pflanzgut AG (NSP) belieferte aus der hochgradig mit Nitrofen verseuchten Lagerhalle in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur die niedersächsische Öko-Futtermühle GS agri, sondern auch andere Kunden. In der Halle waren zu DDR-Zeiten die Staatsreserven für Pflanzenschutzmittel gelagert worden. Inzwischen wiesen die Behörden auch die Gifte DDT und Lindan in dem Getreide nach.

Trotz der Aufklärung des Nitrofen-Skandals will das Land Niedersachsen den Futterhersteller GS agri in Schneiderkrug bei Cloppenburg schließen. Das Verfahren laufe weiter, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Hanns-Dieter Rosinke. Auch die NSP gerät unter Druck. Seit Samstag sind ihre Betriebsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen geschlossen, denn der Verbleib von 120 Tonnen an verseuchtem Weizen und Lupinen aus der Malchiner Halle ist noch nicht geklärt. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) zeigte sich empört. NSP, zertifiziert von „Grünstempel“ hätte die Halle überprüfen lassen müssen.

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born, warf den Betreibern der kontaminierten Lagerhalle ein völlig verantwortungsloses Verhalten vor. „Das ist eine Sauerei“, sagte Born am Sonntag dem Tagesspiegel. Man könne nicht in einem ehemaligen DDR-Pflanzenschutzzentrum Futterweizen lagern, ohne die Halle vorher zu entgiften. Born bekräftigte zugleich die Forderung des Bauernverbands nach „lückenloser Transparenz der gesamten Kette von Futtermitteln bis zur Ladentheke“ auch im Öko-Landbau. Die Branche sei auf dem Weg, 20 Prozent des Agrarmarkts mit einem Jahresumsatz von 35 Milliarden Euro zu stellen. „Das sind Märkte wie andere auch“, sagte Born. Er wertete Künasts soeben vom Bundesrat verabschiedetes Öko-Landbaugesetz als „großen Schritt nach vorn“, weil damit erstmals die Eigenkontrolle der Öko-Bauern durch staatliche Gegenkontrolle ergänzt werde.

Der Bonner Raiffeisenverband wehrte sich am Sonntag gegen den Vorwurf, dass die Vergiftung durch eine Verschwörung genossenschaftlicher Unternehmen so lange unentdeckt geblieben sei. Die Unternehmen des Verbandes seien eigenständig, sagte eine Sprecherin. Der Verband sei am stärksten an einer lückenlosen Aufklärung interessiert.

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