Politik : „Keine Geheimnisse verraten“

-

Berlin Vor dem Hintergrund von Stasi-Vorwürfen gegen mehrere ehemalige westdeutsche Journalisten hat der frühere Moskau-Korrespondent Uwe Engelbrecht dem Historiker Hubertus Knabe zum Teil widersprochen. Wie berichtet, wurde der heute 67-jährige Engelbrecht zu Beginn der sechziger Jahre vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angeworben und unter dem Decknamen „Rabe“ als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) geführt. Nach der Einschätzung des Historikers Knabe war Engelbrecht einer engen nachrichtendienstlichen Führung durch das MfS unterworfen. Engelbrecht, der bis 1998 auch für den Tagesspiegel aus Moskau berichtet hat, räumte am Sonntag im Gespräch mit dieser Zeitung seine IM-Tätigkeit zwar ein. Er sagte aber auch: „Als ich in Moskau saß, wurde ich von niemandem geführt.“

Engelbrecht wies darauf hin, dass seine Stasi-Mitarbeit bereits 1993 vor der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ein gerichtliches Nachspiel mit einer nachfolgenden Geldbuße gehabt habe. Seine Tätigkeit als IM gliedere sich in zwei Phasen, sagte Engelbrecht dem Tagesspiegel. Zu Beginn der sechziger Jahre habe er sich als damaliger Student am Dolmetscherinstitut an der Heidelberger Universität während eines Besuchs der Potsdamer Parkfestspiele von der Stasi „einspannen“ lassen. Anschließend habe er Techniken zur Nachrichtenübermittlung – beispielsweise über Kurzwellensender – erlernt, was Engelbrecht heute als „romantische Phase“ seiner Stasi-Mitarbeit bezeichnet. 1968 sei es aber wegen des Einmarschs der Sowjets in die Tschechoslowakei „fast zum Bruch“ mit der Stasi gekommen. Die neuerlichen Kontakte mit dem MfS in seiner Zeit als Moskau-Korrespondent ab 1971 habe er vor allem in der Hoffnung aufgenommen, mehr über die Sowjetunion zu erfahren, so Engelbrecht. Die Qualität seiner an die Stasi gelieferten Informationen beurteilte er so: „Ich hatte keine Staatsgeheimnisse zu verraten. Alles, was ich wusste, stand in den Zeitungen.“ ame

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar