Keine Kampftruppen : Erdogan verweigert Obama die Gefolgschaft

Trotz des jüngsten Appells von US-Präsident Obama an die Nato-Partner ist die Türkei nicht bereit, Soldaten für einen Kampfeinsatz in Afghanistan bereitzustellen. Dennoch spricht der türkische Ministerpräsident von einer "Vorbild-Partnerschaft".

Thomas Seibert[Istanbul]
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Gast bei US-Präsident Obama (r.): der türkische Ministerpräsident Erdogan. -Foto: dpa

Nach einem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama in Washington hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan darauf verwiesen, dass sich die türkischen Soldaten in Afghanistan lediglich um die Ausbildung von Sicherheitskräften und um den Wiederaufbau der Infrastruktur kümmern. Das kürzlich auf 1750 Mann aufgestockte türkische Kontingent der Afghanistan-Truppe hatte vor wenigen Wochen erneut das internationale Kommando in Kabul übernommen. Mehr sei nicht drin, machte Erdogan deutlich.

Vor den Kameras blieb Obama bei der Begegnung im Weißen Haus nichts anderes übrig, als sich bei Erdogan für die türkische Unterstützung in Afghanistan zu bedanken. Der amerikanische Botschafter in Ankara hatte bereits in der vergangenen Woche bei Sondierungen in der türkischen Hauptstadt erfahren, dass die Türken nicht daran denken, Soldaten mit Kampfauftrag in den Hindukusch zu schicken. Der Afghanistan-Krieg ist in der türkischen Öffentlichkeit äußerst unpopulär, weil er als Privat-Feldzug der Amerikaner gilt.

Erdogan stellt mehr Engagement im Fall Iran in Aussicht

Etwas erfreulicher war das Gesprächsergebnis aus amerikanischer Sicht beim Thema Iran. Erdogan lehnte zwar neue Sanktionen gegen Teheran ab und bezeichnete die jüngste Resolution der Internationalen Atomenergiebehörde gegen Iran, einen wichtigen Gaslieferanten der Türkei, als „übereilt“. Der türkische Premier bekräftigte aber, dass die Türkei als Nachbar Irans eine aktivere Rolle im Atomstreit spielen wolle. Die Türkei könne einen „Korridor“ für Gespräche öffnen, sagte Erdogan. Auch Obama betonte, die Türkei könne eine wichtige Rolle bei den Bemühungen spielen, die Iraner an ihre internationalen Verpflichtungen zu erinern.

Die Türkei wolle keine Atomwaffen in ihrer Region, sagte Erdogan. Damit meinte er nicht nur Iran, sondern auch Israel. Der türkische Premier hat dem Westen schon häufiger vorgeworfen, in der Atomfrage mit zweierlei Maß zu messen. Erdogan kritisiert erneut das israelische Vorgehen im Gaza-Streifen. Dazu könne er nicht schweigen, sagte er.

Erdogan nutzte seinen Besuch in Washington aber auch, um Befürchtungen zu widersprechen, seine Regierung habe eine Neuorientierung der Türkei Richtung islamischer Welt eingeleitet. Sein Land habe sowohl den Westen als auch den Osten im Blick, sagte Erdogan. Es könne keine Rede davon sein, dass aich die außenpolitische Achse der Türkei verschiebe. Das Verhältnis zu den USA bezeichnete er ausdrücklich als „Vorbild-Partnerschaft“, die mit einem gemeinsamen Ministerausschuss für die wirtschaftliche Zusammenarbeit noch weiter ausgebaut werden soll.

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