Keine Kritik an Donald Trump : Obamas Präsenz ist Kontrastmittel genug

Erstmals seit dem Amtswechsel tritt der 44. Präsident öffentlich auf - und weigert sich, Nachfolger Donald Trump offen zu kritisieren. Zu Recht. Ein Kommentar.

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So kennt man den ehemaligen Präsidenten der USA: Barack Obama, breit grinsend.
So kennt man den ehemaligen Präsidenten der USA: Barack Obama, breit grinsend.Foto: Zbigniew Bzdak/Chicago Tribune/dpa

Da ist er wieder, zurück aus drei Monaten selbst verordneter Auszeit nach dem Ende seiner Präsidentschaft: breit lächelnd, souveränes Auftreten, abgewogene Formulierungen und zwischendurch ein Scherz, der nicht auf Kosten eines Anwesenden geht und bei dem alle mitlachen können: "War was los, während ich weg war?" eröffnete Obama das Gespräch während einer Podiumsdiskussion an der University of Chicago. Weitere Spitzen hat er nicht nötig.

Welten liegen zwischen Obama und Trump

Ein Auftritt genügt - und sofort wird unübersehbar, dass Welten zwischen dem 44. und dem 45. Präsidenten der USA liegen. Dabei geht es um beides: Form und Inhalt, Auftreten und Politikverständnis. Was gäben Obamas Fans nicht dafür, wenn sie ihn zurück haben könnten - wenn ein so besonnener und höflicher Mensch im Weißen Haus säße, gerade jetzt, da viele in der Welt sich sorgen, ob die vielen regionalen Konflikte von Syrien bis Nordkorea in eine globale Auseinandersetzung eskalieren könnten. 

Deshalb wünschen viele Anhänger, dass Obama sich äußert - ja, sie fordern es geradezu. Was hält er von Donald Trump, was würde er anders machen? Er soll jetzt ihre Stimme sein in der Auseinandersetzung um den Weg der USA in die Zukunft.

Schlecht reden über den Nachfolger? Das gehört sich nicht

Aber da beginnt auch das Missverständnis über Obamas Rolle in der Trump-Präsidentschaft. Der Vorgänger will sich nicht über den Nachfolger äußern. Das gehört sich nicht. Obama weiß aus eigener Erfahrung, warum. Er hat schließlich selbst den Nutzen gehabt, als er damals, in den ersten Monaten 2009, in seine neue Verantwortung hinein finden musste.

George W. Bush hat ihn nicht mit unerbetenen Ratschlägen bedrängt, hat ihn auch in der öffentlichen Auseinandersetzung in Ruhe gelassen. Das dürfte W. schwer genug gefallen sein. Schließlich hatte Obama die anderthalb Jahre zuvor einen Wahlkampf voll ätzender Kritik an Bush geübt.

Was Obama an George W. Bush schätzt

Obama war Bush dankbar, dass der sich anständig verhielt und ihm seine schwierige Aufgabe nicht noch mehr erschwerte. Anstand mag zwar Donald Trump fremd sein. Nicht aber Obama. Deshalb will er sich an die Regel halten. Auch wenn es ihm ebenso schwer fällt, schließlich hat Trump nach gleichem Muster Wahlkampf mit ätzender Kritik an Obama geführt.

Barack Obama weiß außerdem, dass eine offene Kritik an Trump seiner Sache wenig dienen würde. Das würde nur die Obama-Gegner mobilisieren und Trump zutreiben. Um den Unterschied deutlich zu machen, genügt es, dass Obama auftritt - so wie er ist. Seine Präsenz ist Kontrast genug, auch wenn er nicht über Trumps Politik urteilt. 

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