Keine Mehrheiten : Unklarheit nach Indiens Wahlen

Einmonatige Megawahlen sind zwar zu Ende, aber es gibt keinen klaren Sieger. Wer künftig die zweitgrößte Nation der Welt regiert, ist offen.

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - Die Wahllokale waren kaum geschlossen, da rief Indiens Regierungschef Manmohan Singh schon den Kriegsrat der Kongresspartei in seiner Residenz zusammen. Wenige Kilometer weiter beriet sich sein Herausforderer Lal Krishna Advani von der Hindu-Partei BJP mit den Parteigranden Indiens. Einmonatige Megawahlen sind zwar zu Ende, aber es gibt keinen klaren Sieger. Wer künftig die zweitgrößte Nation der Welt regiert, ist offen. Beide großen Parteien sind meilenweit von der Mehrheit von 272 Sitzen entfernt – und begannen am Donnerstag die Jagd auf Koalitionspartner.

Wahlexperten befürchten ein wochenlanges Geschachere und eine schwache, wackelige Koalition. Die Börse, die auf eine starke Regierung gehofft hatte, brach ein. Nach den Prognosen liegt die Kongresspartei nur ein paar Sitze vor der BJP. Und selbst mit ihren Koalitionspartnern kommt sie nach einer Wahlumfrage für den TV-Sender CNN-IBN nur auf 185 bis 205 Mandate. Für die BJP und ihre Verbündeten werden 165 bis 185 erwartet. Als weitere Kraft mischt die Dritte Front, ein Verbund aus den Kommunisten und Regionalparteien, mit, der 110 bis 130 Sitze vorausgesagt werden.

„Die Prognosen machen uns nicht schlauer“, stöhnte die Wirtschaftszeitung „Mint“. Die Regionalparteien oder die Kommunisten werden nun Königsmacher spielen. Eine wackelige Regierung käme für Indien zur Unzeit. Die globale Krise schlägt immer härter zu. Die Wachstumsprognosen wurden nach neun Prozent in den Vorjahren auf vier bis fünf Prozent revidiert. Die Industrieproduktion ist eingebrochen, die Arbeitslosenzahl um eine Million hochgeschnellt.

Das endgültige Wahlergebnis wird erst am kommenden Samstag feststehen und könnte noch Überraschungen bescheren. Umfragen sind in dem 1,1-Milliarden-Einwohner-Land mit höchster Vorsicht zu genießen. Bei der Wahl 2004 hatten die meisten einen Sieg der BJP vorausgesagt, tatsächlich wurde aber dann die Kongresspartei stärkste Kraft. 300 Parteien und 4600 Kandidaten waren zur Wahl angetreten. 

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