Politik : Keine Metall-Einigung: Zwickel spricht von Micky-Maus-Offerte

STUTTGART/BERLIN (Tsp/AFP).Die Hoffnung auf einen Pilotabschluß in der Metallindustrie im Südwesten ist am Mittwoch zerplatzt.Die Arbeitgeber erhöhten ihre Offerte am Nachmittag um nur 0,3 Punkte auf ein Volumen von 2,8 Prozent.Dies lehnte IG-Metall-Chef Zwickel im Gespräch mit dem Tagesspiegel als "lächerlich" ab."Wer mit einem solchen Micky-Maus-Angebot kommt, der schätzt den Ernst der Lage und die Wut der Arbeitnehmer falsch ein." Um der Forderung nach 6,5 Prozent höheren Einkommen Nachdruck zu verleihen, traten rund 150 000 Beschäftigte in den Warnstreik.Unterdessen belastet der Tarifkonflikt zunehmend das geplante Bündnis für Arbeit.

Bundeskanzler Schröder mahnte am Abend in der ARD, er hoffe darauf, daß ein vernünftiges Ergebnis ausgehandelt und ein Streik möglichst vermieden wird.Es gehe nicht allein um den Abschluß für 1999.

Arbeitgeber-Verhandlungsführer Fritsche schlug für die 840 000 Metall-Beschäftigten im Südwesten 2,3 Prozent mehr Grundlohn sowie eine ertragsabhängige Einmalzahlung von 0,5 Prozent des Jahresentgeltes vor.Den Verhandlungen in Leinfelden-Echterdingen war Pilotfunktion zugemessen worden.

IG-Metall-Chef Zwickel stellte im Tagesspiegel klar, daß die Gewerkschaft "garantiert keine ertragsabhängige Einmalzahlung akzeptieren" werde: "Das geht an allen Realitäten vorbei." IG-Metall-Verhandlungsführer Huber sagte, eine Lösung am Verhandlungstisch setze voraus, daß man "ein Angebot vorgelegt bekommt, das verhandelbar ist".Nach der Vertagung der Gespräche werde nun die gesamte Bundesrepublik wieder Pilotbezirk.Huber erinnerte die Arbeitgeber an das Ultimatum der Gewerkschaft.Sie müßten sich bis zum 11.Februar bewegen.Andernfalls werde die Große Tarifkommission das Scheitern erklären.

Gesamtmetall-Präsident Stumpfe verteidigte seine Forderung nach einem "flexiblen Weihnachtsgeld" als "moderne und gerechte Form der Gewinnbeteiligung".

Der Konflikt verschärfte auch den Streit um das Bündnis für Arbeit.Die Arbeitgeber betonten, ein Streik oder ein hoher Abschluß machten Bündnisgespräche sinnlos.Zwickel warf dem Präsidenten des Industrie- und Handelstags, Stihl, "vorsätzliche Brandstiftung" vor.Er suche nur ein Alibi für den Ausstieg.Derweil gab sich Kanzler Schröder in Berlin optimistisch.Das Bündnis sei nicht in Gefahr, auch wenn es die eine oder andere Äußerung gebe, die ihm nicht gefalle.

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