Politik : Keine Scherze, bitte!

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die Grünen neigen bekanntlich dazu, aus fast jedem politischen Problem gleich eine Grundsatzfrage zu machen. Auch Parteichef Fritz Kuhn handelte am Donnerstag nach diesem Schema – allerdings in ironischer Absicht. Bei einer Pressekonferenz zu Forderungen nach der Flutkatastrophe präsentierten die Grünen ein offensichtlich in Eile entworfenes Plakat, das die Weitsichtigkeit der Partei beim Hochwasserschutz dokumentieren soll. Freilich hatten die Plakatkünstler auf jedes anschauliche Element verzichtet und statt einer eingängigen Grafik eine Bleiwüste entworfen. Unter der Überschrift „Alle reden vom Klimaschutz. Wir handeln“ listet das Plakat nüchtern und phantasielos fast 20 umweltpolitische Entscheidungen der rot-grünen Regierung auf. Kaum war das aus der Ferne nicht zu entziffernde Plakat von der Größe einer halben Zeitungsseite den Journalisten auf dem Podium präsentiert worden, rief eine Korrespondentin auch schon etwas schnippisch nach vorne: „Liefern Sie auch ein Fernglas mit?“ Ökologievertreter Fritz Kuhn zeigte sich trotz des Blitzangriffs schlagfertig, tat der Fragerin aber mit seiner Antwort bitter Unrecht. „Das ist wieder eine Grundsatzfrage“, sagte der Parteichef: „Vielleicht sollten Sie statt mit dem Auto mit dem Fahrrad fahren.“ Freilich wird der Plakatentwurf auch dann nicht eingängiger, wenn man ihn bei voller Fahrt vom Zweirad aus erfassen will. Die Korrespondentin jedenfalls verließ nach der Pressekonferenz die Grünen-Zentrale, setzte sich dann aber nicht etwa hinters Steuer eines Autos, sondern stieg – ökologisch vorbildlich – aufs Rad. Während sie davonfuhr, murmelte sie nur: „Und das muss ich mir von dem Kuhn sagen lassen.“ Hans Monath

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