Keine Schützenhilfe aus Berlin : Sarkozy kommt doch nicht zum CDU-Parteitag

Aus dem angekündigten Auftritt von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy beim CDU-Parteitag in Köln wird nichts - offenbar will Kanzlerin Angela Merkel dem neuen UMP-Chef keine derartige Bühne für sein politisches Comeback bieten.

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Ein Bild aus alten Tagen. Kanzlerin Angela Merkel und Nicolas Sarkozy - damals noch Präsident - 2012 in Paris.
Ein Bild aus alten Tagen. Kanzlerin Angela Merkel und Nicolas Sarkozy - damals noch Präsident - 2012 in Paris.Foto: dpa

Noch am Dienstag hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in seiner Eigenschaft als Mitglied des CDU-Präsidiums warme Worte für die rhetorischen Fähigkeiten von Nicolas Sarkozy gefunden. Schäuble war bei einer Pressekonferenz nach einem deutsch-französischen Ministertreffen in Berlin zu den Berichten über einen geplanten Auftritt Sarkozys beim CDU-Parteitag kommende Woche in Köln gefragt worden. Was Schäuble dann auf die Frage antwortete, ließ auf eine Renaissance der Ära „Merkozy“ schließen, in deren Verlauf die deutsche Kanzlerin und der damalige französische Staatschef durch die Euro-Krise politisch zusammengeschweißt wurden. Es sei guter Brauch, die Vorsitzenden der CDU-Schwesterparteien zu den Parteitagen einzuladen, meinte Schäuble. Und wenn Sarkozy dann ein Grußwort an die Versammlung in Köln richte, „dann werden wir auch begeistert sein“, sagte der Finanzminister.
Doch daraus wird nichts. Sarkozy, der in der vergangenen Woche zum Vorsitzenden der konservativen Oppositionspartei UMP gewählt wurde, wird keine Rede in Köln halten. Er kommt, anders als noch zu Beginn der Woche aus seinem Umfeld verlautet war, erst gar nicht zum CDU-Parteitag. Die Umstände des angekündigten und dann doch wieder abgesagten Besuchs erinnern weniger an die enge Zusammenarbeit zwischen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy. Dafür wecken sie umso mehr Reminiszenzen an Sarkozys erratische Anfangszeit im Präsidentenamt, in der „Speedy Sarko“ die deutsche Seite immer wieder mit neuen Initiativen überraschte.
Der 59-jährige Ex-Staatschef, der nach seiner Kür zum UMP-Vorsitzenden als möglicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2017 gilt, ist in der Öffentlichkeit in Frankreich alles andere als unumstritten. Auf der rechten Seite des politischen Spektrums lauert sein Hauptrivale, der frühere Außenminister Alain Juppé. Wie Sarkozy möchte auch Juppé in zweieinhalb Jahren die Nachfolge von Präsident François Hollande antreten. Nach einer am Donnerstag von der Zeitung „Les Echos“ veröffentlichten Umfrage sind 56 Prozent der Franzosen von den Führungsqualitäten Juppés überzeugt, während nur 32 Prozent eine positive Meinung von Sarkozy haben. In dieser Situation wäre dem früheren Staatschef eine politische Aufwertung auf internationaler Bühne, wie sie der CDU-Parteitag geboten hätte, sehr gelegen gekommen.

Merkel will sich nicht instrumentalisieren lassen

Dass „Sarko“ nun doch auf seinen Auftritt am Rhein verzichten muss, liegt nach einem Bericht der konservativen Zeitung „Le Figaro“ am Einspruch von Merkel selbst. Dem Bericht zufolge wollte die Kanzlerin Sarkozy nicht die Möglichkeit bieten, sein politisches Comeback in Köln zu inszenieren. Auch wenn Merkel nach dem Ende von dessen Amtszeit ein gutes Verhältnis zu Sarkozy beibehielt und ihn auch im vergangenen Februar im Kanzleramt empfing, so wolle sie sich nicht in den Machtkampf innerhalb des bürgerlichen Lagers in Frankreich einmischen, hieß es weiter. Zudem wolle sie sich nicht gegen Staatschef Hollande instrumentalisieren lassen. 2012 hatte die Kanzlerin Sarkozy mit einem gemeinsamen Fernsehauftritt noch Wahlkampfhilfe geleistet.
Aus dem Umfeld von Sarkozy heißt es nun, dass der UMP-Chef Merkel „sehr bald“ in Berlin treffen werde – die Fortsetzung der „Merkozy“-Saga scheint also garantiert.

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