Politik : Keine Spur von Tätern nach Eta-Anschlag

San Sebastián - Einen Tag nach dem Mord an einem Ex-Stadtrat der regierenden Sozialisten durch mutmaßliche Eta-Terroristen im spanischen Baskenland fehlt von den Tätern jede Spur. Die Großfahndung der Polizei habe bislang keine Ergebnisse gebracht, meldete der Rundfunk am Samstag. Das Attentat zwei Tage vor der Parlamentswahl an diesem Sonntag sei von dem derzeitigen obersten Anführer der baskischen Untergrundorganisation, Francisco Javier López Peña alias „Thierry“, angeordnet worden, berichtete die Presse unter Berufung auf Antiterror-Experten.

López Peña war einer der Unterhändler der Eta bei den gescheiterten Friedensverhandlungen mit der spanischen Regierung. Er gilt als Verfechter einer harten Linie innerhalb der Organisation.

Der 42-jährige Ex-Kommunalpolitiker Isaías Carrasco war am Freitag vor seinem Haus in der baskischen Kleinstadt Arrasate erschossen worden, als er zur Arbeit fahren wollte. Ein Terrorist feuerte aus nächster Nähe fünf Kugeln auf sein Auto. Der Schütze flüchtete nach Polizeiangaben mit einem Komplizen in einem gestohlenen Wagen. Carrasco wurde von drei Geschossen getroffen. Er starb wenig später im Krankenhaus. Der dreifache Familienvater, ein gelernter Maurer, arbeitete als Kassierer an der Mautstelle einer Autobahn. Von 2003 bis 2007 saß er zusätzlich zu seinem Job für die Sozialisten im Gemeinderat. Arrasate ist eine Hochburg der Separatisten.

Der spanische Ministerpräsident und Parteichef der Sozialisten, José Luis Rodríguez Zapatero, sowie Oppositionsführer Mariano Rajoy waren am späten Freitagabend nach Arrasate gereist, um der Familie ihr Beileid auszusprechen. Beide werteten den Anschlag als Versuch der Eta, den Ablauf der Wahlen an diesem Sonntag zu stören.

Nach Meinungsumfragen drohten den regierenden Sozialisten (PSOE) von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero im Vergleich zur Wahl 2004 leichte Stimmverluste. Die PSOE konnte jedoch auf eine knappe Mehrheit hoffen. Die Meinungsforscher gaben den Sozialisten beim Stimmenanteil einen Vorsprung von bis zu vier Prozentpunkten. Die konservative Volkspartei (PP) von Mariano Rajoy lag in keiner der Umfragen vorn. Allerdings waren viele Wähler bis zuletzt unentschlossen. dpa

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