Politik : Keine Tassen, nirgendwo

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All jene, die in Zivilisationen des mittleren 20. Jahrhunderts aufgewachsen sind, teilen zwei Gewissheiten. 1. Es gibt keine Außerirdischen. Und 2. Wenn es sie aber doch gibt, dann fliegen sie mit Untertassen.

Darauf basiert unser komplettes Außerirdischen-Wissen. Untertassen, das kennt jeder, fallen häufig runter, also haben wir es auch mit außerirdischen Unfallopfern zu tun: Echt schnuffigen Aliens, die dann von der CIA abgeholt und in Geheimlaboren seziert werden. Das bekannteste, 1947 in Roswell/New Mexico abgestürzt, ist eine Art große Gummipuppe mit Mandelaugen und Blähbauch – aus heutiger Sicht eine Art Teletubby, nur ohne deren buntes Fell.

Dummerweise hat nun ein britischer Experte für Spezialeffekte eingestanden, dieses Wesen sei in der Tat eine Gummipuppe; er habe sie gebaut, allerhand glitschige Schafsinnereien hineingetan und auch die dilettantische Obduktion selbst vorgenommen. Ein harter Schlag für alle Gläubigen, dem soeben ein weiterer folgt: „Aus den Ufos ist die Luft raus“, sagt der Mannheimer Experte Werner Walter, der seit vielen Jahren geradezu sehnlich um Beobachtungen bittet. Doch es werden immer weniger, gerade noch 138 im vergangenen Jahr. Das ist, als würde die Polizei am Kamener Kreuz pro Jahr nur 138 Temposünder erwischen – praktisch nichts. Zumal es bei näherem Hinsehen immer nur Sternschnuppen oder hell leuchtende Planeten waren.

Nun mag es sein, dass wir die Aliens einfach enttäuscht haben. Kein intelligentes Leben dort unten! Und diese Fremdenfeindlichkeit! In der Tat kann es nicht verlockend sein, auf einem Planeten zu landen, wo die Bewohner an hunderte von Göttern glauben, Filterkaffee trinken und ihre Möbel selbst zusammenbauen müssen. Doch noch wahrscheinlicher ist: Es gibt überhaupt keine Aliens. Nicht in Untertassen, nicht in Suppentassen, nicht in Sammeltassen. Überhaupt nicht!

Zugegeben: Da wird manchem mulmig. Wir, ausgerechnet wir, ganz allein im Universum, niemand da draußen, der uns genetisch ein wenig veredeln und auf zivilisatorischen Mindeststandard bringen mag, keiner, der uns eventuell wenigstens vom allergrößten Blödsinn abhalten könnte. Ob uns am Ende eventuell doch die Teletubbies helfen?

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