Keine Terrorgefahr : BKA-Chef: Olympia ist sicher

Trotz Anschlägen hält das Bundeskriminalamt Chinas Sicherheitsvorkehrungen für mehr als ausreichend. BKA-Chef Jörg Zierke sieht derzeit keine akute Gefahr für deutsche Sportler, Funktionäre oder Politiker.

Frank Jansen,Barbara Junge

Berlin - Auch nach dem Anschlag auf eine Polizeiwache in der Provinz Xinjiang im Nordwesten Chinas geht das Bundeskriminalamt davon aus, dass bei den Olympischen Spielen in Peking keine akute Terrorgefahr droht. "Nach meiner Einschätzung sind deutsche Sportler, Funktionäre und Politiker in Peking sicher", sagte der Präsident des BKA, Jörg Ziercke, dem Tagesspiegel.

Wenige Tage vor der Eröffnung der Spiele haben die chinesischen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen nochmals verstärkt. An den Straßen in der vom Anschlag betroffenen Provinz wurden am Dienstag weitere Polizisten stationiert, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. An öffentlichen Plätzen galt eine erhöhte Sicherheitsstufe, in der Provinzhauptstadt Urumtschi wurden die Einwohner von Sicherheitskräften kontrolliert.

Sicherheitskräfte in höchster Alarmbereitschaft

Bei dem Anschlag am Montag waren 16 Polizisten getötet und 16 weitere verletzt worden. Bei den beiden Angreifern handelt es sich nach den Angaben aus China um Uiguren. Mitglieder der muslimischen Minderheit haben sich mehrfach gewaltsam gegen die chinesische Herrschaft aufgelehnt. In ganz China wurden die Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Internationale Sicherheitskreise vermuten die uigurische Vereinigung "East Turkestan Islamic Mouvement (Etim)" hinter dem Angriff auf den Polizeiposten. Wahrscheinlich sei die Etim auch für den Anschlag vom Juli auf zwei Busse in der südwestchinesischen Stadt Kunming und weitere Attacken verantwortlich. Die Vereinigung sehe sich als Teil des weltweiten Heiligen Krieges und bekenne sich zu Al Qaida. Es sei zu erwarten, dass die Etim auch während der Olympischen Spiele Anschläge verüben wolle, um die Aufmerksamkeit der globalen Medienöffentlichkeit zu nutzen.

Zierke: China betreibt „enormen Sicherheitsaufwand"

Das BKA nehme die Hinweise Chinas auf terroristische Aktivitäten sehr ernst, betonte BKA-Präsident Ziercke. Allerdings werde in dem Land "ein enormer Sicherheitsaufwand" betrieben, personell als auch technisch, um die Spiele zu schützen. "Es gibt mehr als 100.000 zusätzliche Sicherheitskräfte in Peking", sagte Ziercke. "Unabhängig von der Frage, ob die Maßnahmen in diesem Umfang erforderlich sind, dürften potenzielle Attentäter große Schwierigkeiten haben, einen Anschlag zu begehen." Ziercke warnte zwar, "so etwas schreckt Selbstmordattentäter natürlich nicht ab." Die jüngsten Anschläge zeigten allerdings, "dass diese Gruppen noch nicht hoch professionell agieren".

Drei Mitarbeiter hat das BKA bereits nach China entsandt - einen in das internationale Polizei-Zentrum und zwei zur deutschen Olympiamannschaft. Letztere betreuen das Team und stünden den Sportlern zur Seite, sollte sich eine Gefährdung abzeichnen. Außerdem verfügt das BKA über einen Verbindungsbeamten in Peking. "Wir haben alles getan, was vorsorglich unternommen werden kann", sagte Ziercke.

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