Politik : Keine Titel-Geschichte: "Spiegel"-Reporter Lorenz ist wieder in Hamburg

Der "Spiegel"-Reporter Andreas Lorenz ist am Freitag nach 25-tägiger Geiselhaft auf den Philippinen nach Deutschland zurückgekehrt. Nach einem Zwischenstopp in Frankfurt traf der sichtlich erleichterte Journalist am Morgen in Hamburg ein. Lorenz war am Donnerstag von seinen philippinischen Entführern freigelassen worden, die ihn auf der Insel Jolo verschleppt hatten. "Das sind Leute, die unberechenbar sind und schwer bewaffnet", sagte Lorenz auf dem Hamburger Flughafen. Der 47-Jährige war Anfang Juli in die Gewalt der Entführer geraten, als er auf dem Weg zu den im April nach Jolo verschleppten 21 Geiseln war. "Die Situation für die Geiseln ist absolut furchtbar", sagte Lorenz. "Die Entführer haben mich ausgeraubt und mir sogar die Brille geklaut." Er sei von den Geiselnehmern aber nicht körperlich misshandelt worden. Angst um sein Leben habe er nicht gehabt, er sei eher nervös und unruhig gewesen. Bewaffnete Moslem-Rebellen hatten Lorenz am 2. Juli auf der Insel Jolo verschleppt, als er auf dem Weg zu den damals 21 von der Moslem-Gruppe Abu Sayyaf entführten Geiseln war - darunter die Göttinger Familie Wallert.

Lorenz wollte am Freitag zunächst in der "Spiegel"-Redaktion einen Artikel über seine Geiselhaft schreiben und anschließend Urlaub machen. Er arbeitet für den "Spiegel" als Asien-Korrespondent mit Sitz in Peking, wohin er später zurückkehren will.

Zur Lage der auf Jolo verbliebenen Geiseln sagte Lorenz weiter: "Die Entführer werden nicht alle Geiseln auf einmal freilassen, sondern nur nach und nach." Sie rechneten mit einer Militäraktion zur Befreiung der Geiseln und versuchten, diese zu verhindern."

"Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust äußerte sich am Freitag wieder nicht zu der Frage nach der Zahlung von Lösegeld. Und Lorenz sagte: "Ich weiß nicht, was zu meiner Freilassung geführt hat." Aus informierten Kreisen verlautete, die Geiselnehmer verlangten mehr als zwei Millionen Mark für jede Geisel.

Lorenz erklärte, bei seinen Recherchen zu dem Geiseldrama habe auch ein eigener Fehler zu seiner Geiselnahme geführt. "Ich habe einen Fehler gemacht, denn ich habe zu spät gemerkt, dass meine Informanten gleichzeitig meine Entführer waren." Der Reporter verteidigte seinen Einsatz in dem Krisengebiet: "Jeder Journalist, der seine Arbeit gut machen will, muss sich in Krisengebiete begeben."

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