Politik : Keine Zeit für eine Reformpause

Regierungspartei nominiert Ex-Minister als Djindjic-Nachfolger

Gemma Pörzgen[Belgrad]

Der bisherige jugoslawische Innenminister Zoran Zivkovic gilt als aussichtsreichster Kandidat für den verwaisten Posten des serbischen Premiers. Schon kurz nach dem Mord am bisherigen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic hatte das Parteienbündnis DOS, das die Koalitionsregierung bildet, klargestellt, dass die Djindjic-Partei den Posten als wichtigste Kraft weiter besetzen soll. Am Sonntag nominierte die Demokratische Partei den bisherigen Partei-Vize als Kandidat für die Djindjic-Nachfolge in der Regierung.

In Belgrad wird erwartet, dass das serbische Parlament nächste Woche zusammentritt und den neuen Premier wählt, um ein politisches Machtvakuum im Land zu vermeiden. Zivkovic soll auch bis zum Parteitag die Amtsgeschäfte der DS führen.

Bei seiner Ansprache am Grab des ermordeten Djindjic fand dessen engster Mitarbeiter Zivkovic am Samstag bewegende Worte und erinnerte an die gemeinsamen Tage der großen Protest-Demonstrationen gegen Milosevic. „Nun sind wir am Ende unserer gemeinsamen Spaziergänge“, sagte der 42-Jährige und versprach, dass der von Djindjic begonnene Reformkurs fortgesetzt werde. Ganz anders als viele der anderen Mitstreiter zeigte sich Zivkovic bei seinem Auftritt gefasst, ruhig und entschlossen. Schon am Tag des Attentats hatte er sich mit unmissverständlicher Deutlichkeit an die Institutionen gewandt, die für die Ergreifung der Täter zuständig sind: „Wenn Sie unfähig sind, die Mörder des größten Vorkämpfers für die Demokratie innerhalb von Stunden zu finden, dann sind Sie Komplizen.“

Zivkovic stammt aus der südserbischen Provinz. Seine Heimatstadt Nis war 1996 die erste Stadt, in der die Sozialistische Partei Milosevics die Kommunalwahl verlor und die demokratische Opposition die Macht übernahm. Der gelernte Ökonom wurde Bürgermeister und erwies sich als schlagkräftiger Oppositionspolitiker mit Organisationstalent. Zusammen mit 38 anderen Kommunen in Serbien wurde der Kampf gegen Milosevic seit den umstrittenen Lokalwahlen 1997 vor allem aus der Provinz geführt und aus dem Ausland unterstützt. In dieser Zeit profilierte sich Zivkovic als einer der führenden Köpfe des Widerstands und erwarb sich auch über die Grenzen seines Landes hinaus großes Ansehen.

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