KEINE LUST AUF KÄRNTEN : KEINE LUST AUF KÄRNTEN

Bis ich 14 Jahre alt war, habe ich gefühlt jeden Sommer in Kärnten verbracht, und sie waren alle wunderschön. Genau so, wie in den Anzeigen versprochen: Burgen wie die Hochosterwitz mit 287 Burgtoren zum Durchlaufen, alte Ruinen zum Ritterspielen, Haflinger, die Mädchenträume wahr werden lassen, klare, warme Badeseen, aus denen auch ein dicker Fisch gezogen werden kann, Kaasnudeln, Schlickkrapfen, Almdudler und wahnsinnig nette Leute mit lustiger Aussprache. Aber irgendwann hatten die Reiterferien nicht mehr oberste Priorität, und so haben die Kärntenurlaube irgendwann aufgehört.

Und jetzt? Jetzt wäre es eigentlich Zeit für eine Renaissance. Ich habe einen kleinen Sohn, für den sind Burgruinen und Bauernhöfe das Größte, und im See ist das Baden mit Kleinkind auch entspannter als im Atlantik. Trotzdem bin ich bisher nicht wieder hingefahren. Als ich selber noch ein Kind war, habe ich damals wenig überlegt, was es heißt, wenn über einer Stalltüre ein Jutesack mit Hakenkreuzaufdruck hängt, und keiner, der vorbeigeht, sagt etwas dazu. Aber heute kommt mir ein Urlaub dort irgendwie komisch vor, wo eine Partei mit rassistischen Parolen konstant die meisten Wähler gewinnt, denen selbst noch ein Jörg-Haider-Gedächtnismuseum nicht zu dumpf ist. Ruth Ciesinger

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben