Kernenergie : Bundesamt will ältere AKW früher vom Netz nehmen

Als Konsequenz aus den Pannen in Brunsbüttel und Krümmel hat der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, die Energiewirtschaft aufgefordert, ältere Atomkraftwerke früher abzuschalten.

"Wenn die Konzerne es ernst meinen mit der Verbesserung der Sicherheit älterer Reaktoren und auch Akzeptanz für den befristeten Betrieb der jüngeren Kernkraftwerke schaffen wollen, sollten sie ein Signal setzen und die alten Kraftwerke freiwillig früher vom Netz nehmen", sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, dem Tagesspiegel in einem Interview. Dafür spreche auch, dass ältere Atomkraftwerke weniger gut gegen gezielte Flugzeugangriffe von Terroristen geschützt seien. "Neuere Reaktoren haben eine wesentlich stärkere Stahlbetonhülle zum Schutz. Sie ist mit 180 Zentimetern bis zu dreimal so dick ist wie bei älteren."

Konzerne wie Vattenfall und RWE seien gut beraten, die Anträge auf Verlängerung der Restlaufzeiten in Brunsbüttel, Neckarwestheim 1 und Biblis A "als ersten Schritt" zurückzuziehen, um dann mit dem Bundesumweltministerium über die Abschaltung zu verhandeln. König kritisierte, dass die Konzerne stattdessen die Übertragung von Reststrommengen von jüngeren auf ältere Kraftwerke zum Regelfall machen wollten. "Das kommt einer Aufkündigung des Vertrages nahe, der zwischen ihnen und der Bundesregierung 2001 geschlossen wurde." Damals hatten die Bundesregierung und die Energiewirtschaft den schrittweisen Ausstieg aus der Atomkraft vereinbart.

König forderte, als Konsequenz aus den Vorfällen bei Vattenfall die Frage der Endlagerung neu zu diskutieren. "Es gibt viele, die den Standort Gorleben durchsetzen wollen, um hochradioaktives Material zu lagern, ohne andere Standortalternativen zu prüfen. Aber ein Endlager gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen zu wollen, halte ich für einen Fehler." Tsp

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