• KFOR reißt serbische Straßensperre ab / Seit Kriegsende sind 30 000 Bosnier aus der Krisenprovinz geflüchtet

Politik : KFOR reißt serbische Straßensperre ab / Seit Kriegsende sind 30 000 Bosnier aus der Krisenprovinz geflüchtet

Die internationale Kosovo-Truppe KFOR hat die vor einer Woche von serbischen Demonstranten errichtete Straßensperre am Dienstag ohne Zwischenfälle abgerissen. Beim Abbau der Blockade nahe dem Ort Kosovo Polje seien mehrere Menschen vorübergehend festgenommen worden, sagte KFOR-Sprecher Lavoie. Die Sperre hatte den Transport humanitärer Hilfslieferungen in den westlichen Teil des Kosovo behindert. Als Reaktion auf den KFOR-Einsatz der KFOR brachen die Serben in Kosovo Polje den Kontakt zur KFOR und den Vereinten Nationen ab.

Zu einem Zwischenfall kam es am Montagabend in der Ortschaft Vitina. Nach offiziellen Angaben wurde ein 15-jähriger Albaner schwer verletzt, als er eine Handgranate werfen wollte. Der Jugendliche wurde mit Verletzungen an den Augen in ein Krankenhaus in Pristina gebracht. Dort steht er unter Bewachung von UN-Polizisten.

Die Minderheit der bosnischen Moslems im Kosovo beklagt wachsende Spannungen gegen sie in der südserbischen Krisenprovinz. Ihr offizieller Vertreter, Balic, sagte dem Leiter der UN-Mission, Kouchner, seit dem Ende des Kriegs hätten 30 000 Bosnier das Kosovo verlassen.

Der Vatikan will nach Informationen eines albanischen Erzbischofs das Kosovo zu einer eigenständigen Diözese machen. "Ich erwarte dies bald, denn es wäre ein logischer Schritt", sagte Erzbischof Mirdita von Tirana am Dienstag. Mirdita zufolge wäre eine solche Entscheidung nicht als Hinweis des Vatikan zu verstehen, das Kosovo von Serbien abzutrennen.

In Serbien haben am Montagabend rund 65 000 Menschen gegen das Regime von Präsident Milosevic demonstriert. Nach Angaben der Belgrader Nachrichtenagentur Beta gab es wieder in mehr als 20 Städten Protestkundgebungen. Die größte Kundgebung fand in Kragujevac statt. Unterdessen verdichten sich die Gerüchte über eine gezielten Mordanschlag gegen Oppositionspolitiker Draskovic. UN-Generalsekretär Annan wird in der kommenden Woche seine erste offizielle Reise auf den Balkan machen.

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