Politik : KFOR setzt nach Unruhen 40 Gewalttäter fest

Albaner hatten in Mitrovica auch Soldaten der Friedenstruppe beschossen

Die internationale KFOR-Truppe im Kosovo hat bei Razzien in der Stadt Kosovska Mitrovica 40 Personen festgenommen, die an gewaltsamen Übergriffen beteiligt gewesen sein sollen. Darunter seien 39 Albaner und ein Serbe, teilte ein KFOR-Sprecher am Montag in Pristina mit. Am Sonntag war es in Mitrovica zu Schießereien gekommen, bei denen erstmals auch KFOR-Soldaten direkt ins Visier genommen worden waren und zwar von Albanern, zu deren Schutz die KFOR ins Land gekommen war. Die EU plant die Entsendung von weiteren 400 Polizisten in den Kosovo. Von den 4718 Polizisten, die die UNO für den Kosovo angefordert hat, ist nicht mal die Hälfte dort.

Auch zusätzliche in die Stadt verlegte KFOR-Soldaten konnten die neuen Anschläge nicht verhindern. Die Soldaten mussten selber geduckt durch den Kugelhagel rennen und gerieten ins Fadenkreuz albanischer Heckenschützen. Für den französischen KFOR-Sprecher Chanliau sind die Schüsse "Terrorismus", der sich gegen das Leben seiner Soldaten richtete. Die KFOR setzte ihre Razzien am Montag fort. Gegen die Festgenommenen gebe es mehrere Vorwürfe, sagte er. Sie reichten von Schießereien über illegalen Waffenhandel bis hin zu Steinwürfen. Die nächtliche Ausgangssperre in Mitrovica wurde nach den Gewaltakten vom Sonntag verlängert.

Die Auseinandersetzungen hatten sich auf den Norden der geteilten Stadt konzentriert, wo vor allem Serben leben. Der Auslöser blieb ebenso unklar wie die genaue Zahl der Verletzten. Ein Sprecher des Serbischen Nationalrats in Mitrovica erklärte, Albaner hätten sich in zwei Wohnblocks im Nordteil der Stadt geschlichen und von dort eine Schießerei angefangen. Einige Serben hätten die Schüsse erwidert. Drei Serben seien verletzt worden. Nach Darstellung der Albaner wurden die Kämpfe durch den Granatbeschuss eines Hauses ausgelöst, durch den ein Mensch getötet und sechs verletzt wurden. Ziel der Granate sei ein Haus von Albanern im Norden Mitrovicas gewesen. Insgesamt seien bei den Auseinandersetzungen 18 Albaner verletzt worden.

In den Auseinandersetzungen wurden auch französische KFOR-Soldaten Ziel von Heckenschützen. Sie erwiderten das Feuer und töteten nach KFOR-Angaben einen albanischen Schützen. Vier weitere seien verletzt worden. Von den KFOR-Soldaten wurden zwei verletzt.

Mitrovica befindet sich im Sektor des französischen KFOR-Kontingents. Viele Albaner werfen den Franzosen jedoch vor, die Teilung der Stadt zu Gunsten der serbischen Einwohner aufrechtzuerhalten. Sie machen Besitzansprüche im serbischen Teil geltend. Von dort waren sie während des Bürgerkriegs 1998/99 vertrieben worden.

Im Kosovo sind rund 44 000 KFOR-Soldaten stationiert, darunter auch Soldaten der Bundeswehr. Die KFOR war nach dem Abzug der jugoslawischen Armee und der serbischen Polizei nach dem Ende des Jugoslawien-Krieges im Juni in den Kosovo eingerückt. Für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung sollen vor allem UNO-Polizisten sorgen. Bislang sind aber erst 2055 Sicherheitskräfte im Kosovo im Einsatz. Die UNO hält mehr als doppelt so viele für nötig und hat mehrfach eine Aufstockung des Kontingents angemahnt. Die Europäische Union (EU) hat 929 Polizisten zugesagt, bislang aber nur 569 entsandt.

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