Politik : Kind bei Geiselnahme in Schule getötet

Erpresser halten in Kambodscha 29 Kinder mehrere Stunden in ihrer Gewalt

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - In Kambodscha ist bei einer Geiselnahme in einer Schule ein zweijähriger Junge aus Kanada erschossen worden. Zwei der vier Geiselnehmer starben ebenfalls, einer wurde verletzt. Die Polizei konnte 29 Kinder und einen Lehrer befreien, als sie das Drama beendete. Hintergrund und genauer Ablauf der Tat sind noch unklar, aber vieles weist darauf hin, dass Verbrecher Geld erpressen wollten.

Vier Männer waren am Donnerstagmorgen mit einem Maschinengewehr in die internationale Schule der Stadt Siem Reap eingedrungen. In der Schule, die auch einen Kindergarten hat, lernen 70 Kinder aus aller Welt. Gut die Hälfte von ihnen konnte fliehen oder wurde schnell freigelassen. Aber 29 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren und ein Lehrer blieben in der Gewalt der Geiselnehmer. Diese forderten Gewehre, Granaten, Geld und ein Fluchtfahrzeug. Polizisten umstellten die Schule und nahmen über Telefon Kontakt zu den Geiselnehmern auf. Nach sechs Verhandlungsstunden betraten zwei Beamte das Gebäude. Augenzeugen berichten von zwei Schüssen, denen viele weitere gefolgt seien. Viele Kinder strömten aus der Schule. Eine Stunde lang fielen immer wieder einzelne Schüsse, bis die Geiselnahme schließlich zu Ende ging.

Ein kanadischer Diplomat sagte, dass die Lösegeldforderung erfüllt werden sollte, Verhandlungen aber an Details gescheitert seien. Die Geiselnehmer hätten darauf bestanden, bei ihrer Flucht Kinder mitzunehmen. Nach Polizeiangaben wurde der Junge aus Kanada erschossen, als die Geiselnehmer mit ihm und mit anderen Kindern in ein Auto stiegen. Es sei nicht klar, ob Geiselnehmer oder versehentlich Polizisten das Kind getötet hätten. Anhaltspunkte für einen politischen Hintergrund wurden nicht bekannt. „Es ging um Gelderpressung“, sagte Karl Bolch, der britische Honorarkonsul in Siem Reap. Siem Reap ist das Touristenzentrum Kambodschas, jedes Jahr kommen Hunderttausende, weil in unmittelbarer Nähe die Tempelanlage Angkor Wat liegt.

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