Kinder im Krankenhaus : Gut versorgt und schlecht informiert

Die gute Nachricht: Kinder in deutschen Krankenhäusern werden medizinisch gut versorgt. Die schlechte: Informiert und in den Behandlungsablauf einbezogen werden sie und ihre Eltern vielerorts offenbar überhaupt nicht.

Rainer Woratschka

BerlinBis zu 69 Prozent der Eltern sind mit der Information seitens der Ärzte „völlig unzufrieden“ und fühlen sich bei der Therapie „in keinster Weise“ eingebunden, ergab eine Studie des Hannoveraner ISEG- Instituts im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse.

Auf diese Beteiligung hätten Eltern und Kinder jedoch ein Anrecht, betonte der Sozialmediziner und ISEG-Vorstandschef, Friedrich Wilhelm Schwartz, in Berlin. Wenn Therapieoptionen, Vor- und Nachteile von Behandlungen oder individuelle Präferenzen mit ihnen nicht besprochen würden, handle es sich um ein Versorgungsdefizit. Und wenn Ärzte ins Feld führten, dafür im Klinikalltag einfach nicht genug Zeit zu haben, müsse dieses Manko öffentlich thematisiert werden.

Ein Defizit sieht Schwartz auch beim „Grundrecht“ kranker Kinder auf Anwesenheit ihrer Eltern. Während die bei Jüngeren häufig im Klinikum mitübernachten, tut dies bei Sieben- bis Zehnjährigen nur noch etwa die Hälfte. Nötig sei hier mehr Ermutigung, so Schwartz. Ob Minderjährige in Kinderstationen behandelt werden, hängt der Studie zufolge vom Behandlungsanlass und vom Alter ab. „Erstaunlich“ allerdings sei, dass bei Mandeloperationen jedes zweite Kind in einer Erwachsenenstation lande – obwohl dieser Eingriff gut und lange vorher planbar sei.

Am häufigsten kommen Kinder wegen Verletzungen, Magen-Darm-Infekten und Mandelentzündungen ins Klinikum. Darauf entfiel ein Drittel aller Klinikaufenthalte. Und während die Zahl der Verletzten seit 1990 stabil blieb, hat sich die der Klinikaufenthalte wegen Magen- Darm-Infekten versechsfacht. Dies sei bedenklich, da solche Erkrankungen „in den allerwenigsten Fällen“ stationär behandelt werden müssten, sagte ISEG-Mitarbeiterin Eva-Maria Bitzer. Als mögliche Ursachen der „Überversorgung“ nannte sie Defizite in der Ambulanz, gestiegene Elternbesorgnis sowie die Klinikvergütung, die bei solchen Infekten „recht gut“ sei. Die Zahl der Mandeloperationen hingegen hat sich nahezu halbiert, was man als „Abbau von Überversorgung“ interpretieren könne. Man liege damit nur noch leicht über dem Niveau anderer Industrieländer. Rainer Woratschka

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