Politik : Kinder im Krieg: Die unheimliche Front

Andrea Nüsse

Der kleine Junge hat ein rundes, kindliches Gesicht. Er sieht aus wie ein normaler Zehnjähriger. Doch er hat bereits als Soldat gekämpft. Und fünf Menschen getötet. Der Film, der zur Eröffnung der internationalen Konferenz in Amman über Kindersoldaten im Nahen Osten und in Nordafrika gezeigt wird, ist beeindruckend. Allerdings enthält er kein Beispiel aus der Region, sondern hauptsächlich aus Schwarzafrika. Denn im Nahen Osten und in Nordafrika gibt es derzeit nur in Sudan wirklich das Problem von Kindersoldaten im Einsatz.

Erfahrung mit Kindersoldaten hat die Region aber auch in anderen Ländern: Im Iran-Irak-Krieg wurden Tausende von Kindern und Jugendlichen in die Schlacht geschickt, im libanesischen Bürgerkrieg kämpften auch Kinder in paramilitärischen Gruppen. Und die Lage von Kindern in Kriegssituationen ist in der Region hochaktuell: Das Schicksal der palästinensischen Kinder und Jugendlichen, von denen seit dem Beginn der Al-Aksa-Intifada Ende September nach Angaben der Autonomiebehörde mindestens 97 getötet wurden, ist in den Diskussionen das beherrschende Thema. Die von der Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten zusammen mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef und dem jordanischen Institut für Diplomatie veranstaltete Konferenz hat in Amman etwa 100 Vertreter von Nicht-Regierungs-Organisationen und von Regierungen zusammengebracht. "Uns geht es vor allem darum, die Regierungen und bewaffneten Gruppen der Region zur Unterzeichnung eines UN-Dokuments zu bewegen, das das Alter zur Rekrutierung von Soldaten auf 18 Jahre festsetzt", erklärt Rory Mungovern, der Koordinator der Koalition gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Bisher liegt das Mindestalter laut internationalen Richtlinien bei 15 Jahren. Dieser Zusatz zur UN-Kinderrechtscharta ist bisher von 75 Ländern unterzeichnet worden.

Insgesamt sind laut Angaben von Unicef über 300 000 Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten weltweit im Einsatz. Am drängendsten ist das Problem in Sudan, wo nach Angaben der Koalition etwa 9000 Kindersoldaten von den Rebellengruppen eingesetzt werden. Im Februar hat Unicef in einer spektakulären Aktion 2500 Kindersoldaten aus der Kampfzone ausgeflogen. Mit Einverständnis der südsudanesischen Befreiungsarmee SPLA des John Garang. Allerdings erinnerte der Vertreter der sudanesischen Regierung bei der Konferenz daran, dass Khartum über die Aktion nicht informiert war und Unicef keine Fluggenehmigung eingeholt habe.

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