Politik : Kinder in Darfur sind akut gefährdet

Sonja Pohlmann

Berlin - Wenn in einem Lager mit Flüchtlingen aus der westsudanesischen Provinz Darfur Brennholz fehlt oder Wasser knapp wird, dann stehen die dort lebenden Frauen vor einer Frage, die über ihr Leben entscheiden kann: Gehen sie aus dem Campbereich hinaus und riskieren, von Rebellen vergewaltigt zu werden. Oder bleiben sie im Lager, mit der Konsequenz, dass sie sich und ihre Kinder mit den Vorräten nicht mehr am Leben erhalten können.

75 Prozent der in Darfur und im Tschad in Flüchtlingslagern lebenden vier Millionen Bürgerkriegsopfer sind Frauen und Kinder. Und ihre Situation wird immer schlimmer: Denn in den vergangenen Wochen haben in der sudanesischen Provinz Überfälle, Entführungen und bewaffnete Auseinandersetzungen so stark zugenommen, dass die internationale Hilfe vom Zusammenbruch bedroht ist. Das teilte das Kinderhilfswerk Unicef am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts „Zur Lage der Kinder in Krisengebieten 2007“ mit.

In dem Bericht werden die Lebensumstände von Frauen und Kindern in 33 Krisenländern dokumentiert. Darfur steht 2007 im Mittelpunkt. Denn neben Afghanistan und dem Kongo ist der Sudan das Land, das am stärksten von Unicef unterstützt wird. Weil sich die Situation hier verschärft, sei die Versorgung der dort lebenden Menschen, darunter zwei Millionen Kinder, akut gefährdet. Schon jetzt sind nach Unicef-Angaben zwei Drittel der Bevölkerung in Darfur unterernährt.

Für Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) ist das eine untragbare Situation: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschenrechte gebrochen werden, ohne dass gehandelt wird. Wir müssen den politischen Druck erhöhen“, sagte sie. Längst sei es überfällig, die Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) von 7000 Soldaten auf 17 000 Soldaten aufzustocken. Auch die Vereinten Nationen müssten schärfere Sanktionen gegen die sudanesische Regierung verhängen. Beispielsweise, indem ein Waffenembargo beschlossen wird.

Wegen der zunehmenden Gewalt zwischen Armee, Rebellen und regierungstreuen Milizen ist es vielen Hilfsorganisationen kaum noch möglich, Zugang zu den Flüchtlingen und der Bevölkerung zu bekommen. Die Situation sei heute schlechter als auf dem ersten Höhepunkt der Vertreibungen im Jahr 2004, hieß es am Mittwoch. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sorgt sich um die dramatische Entwicklung im Sudan und warnte am Mittwoch vor „großen medizinischen Versorgungslücken“.

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