Politik : Kinder? Nur mit neuem Kühlschrank

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Der ranke, schlanke Begriff „Demografie“ klingt so harmlos. Wie Telemetrie, Bibliophilie, Hagiografie, Dinge also, die wir uns getrost schenken können, wenn wir nicht gerade einen Lehrstuhl der betreffenden Richtung anstreben. Doch welchen Sprengstoff birgt er!

Über Jahrzehnte hat sich der durchschnittliche Deutsche nämlich gesagt: Kinder, Gott ja, die kann ich immer noch kriegen, wenn ich endlich Key-Account-Manager bin oder wenigstens genug Obdachlosenzeitungen verkauft habe. Das dauerte – bis es zu spät war. Aus diesem an sich menschlich verständlichen Verhalten erwuchs uns das Rentenloch, und alle Paare sowie Singles mit weniger als 1,7 Kindern sind schuld daran. Ursula von den Leyen stieg zum Medienstar und Vorbild auf, und so hätte es leicht weitergehen können bis zur völligen Gesundung der Rentenkassen. Wäre da nicht …

Ich beziehe mich in dieser Sache auf die in sozialen Fragen stets besonders sensiblen Engländer. Sie haben einen „Optimum Population Trust“ gegründet, der uns die harte Wahrheit vorrechnet: Jedes heute geborene britische Kind wird während seines Lebens den Ausstoß von 750 Tonnen CO2verursachen, so viel wie 620 Flüge London–New York, hin und zurück.

Die Folgerung ist zwingend: Geburtenkontrolle ist die effektivste Art, den Klimawandel zu bekämpfen. Passende Politikkonzepte freilich sind noch rar. Klar wäre auf jeden Fall, dass klimaschädliche Familien wie jene der Familienministerin nur noch toleriert werden können, wenn sie auf Flugreisen ganz verzichten und nur noch höchstens einen auf 60 km/h gedrosselten Toyota Prius fahren. Für kinderlose Singles wäre noch ein Porsche Cayenne drin, sofern sie sich rechtsverbindlich zum klimaverträglichen Aussterben verpflichten. Die Erlaubnis zum Gebären eines Zweitkindes wird an Auflagen gekoppelt, beispielsweise den Kauf neuer Haushaltsgeräte der Kategorie A+++.

Dennoch könnte auch ein ausgereiftes Konzept Gesellschaftsbeben auslösen. Nur ein Beispiel: Werden sich die Kirchen mit Rücksicht auf den Planeten bereit finden, Abtreibungen aus ökologischer Indikation unter Umständen straffrei ausgehen zu lassen? Und zweifellos wird ein Richtungsstreit über die Frage ausbrechen, ob wir lieber ohne Rentenzahler klimafreundlich alt werden oder kinderreich vorzeitig in den Abgrund fahren wollen. Sigmar Gabriel und Ursula von der Leyen werden sich rasch mal zusammensetzen müssen.

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