KInder : Zypries: Mehr Rechte für „bunte Eltern“

Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass es Kindern mit homosexuellen Eltern genauso gut geht wie solchen, die in traditionellen Familienformen aufwachsen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) macht sich deshalb für gleichgeschlechtliche Eltern stark.

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Sind einer Meinung: Brigitte Zypries (l., SPD) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (r., FDP). -Fotos: ddp

BerlinBundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) will die Rechte gleichgeschlechtlicher Eltern stärken. „Es gibt für den Gesetzgeber keinen Grund, homosexuelle Lebenspartner und heterosexuelle Beziehungen unterschiedlich zu behandeln“, sagte Zypries am Donnerstag bei der Vorstellung einer Studie über Kinder aus sogenannten Regenbogenfamilien. Auch homosexuelle Paare müssten das volle Adoptionsrecht erhalten, meinte die SPD-Politikerin. Dies sei bislang am Widerstand des Koalitionspartners CDU/CSU gescheitert.

Die Untersuchung unter Leitung des Instituts für Familienforschung der Universität Bamberg kommt zu dem Schluss, dass Kinder in Regenbogenfamilien ebenso behütet leben wie in traditionellen Familienformen. Entscheidend für die Entwicklung der Kinder sei nicht die Struktur der Familie, sondern die Qualität der innerfamiliären Beziehungen. „Die Studie zeigt, dass Kinder in Regenbogenfamilien genauso gut aufwachsen wie bei anderen Eltern“, meinte Zypries.

Bislang ist eine Adoption für homosexuelle Eltern nicht möglich

Nach Angaben der Forscher leben in Deutschland rund 16 000 Kinder bei gleichgeschlechtlichen Paaren, die meisten bei lesbischen Frauen. Bei eingetragenen Lebensgemeinschaften leben 2200 Kinder. In die Bamberger Untersuchung waren Regenbogenfamilien mit insgesamt knapp 700 Kindern einbezogen.

Bislang ist in Deutschland eine gemeinsame Adoption für homosexuelle Eltern nicht möglich. Ein Lebenspartner kann lediglich das leibliche Kind des Partners adoptieren. Ein Kind von außerhalb der Beziehung adoptieren kann nur einer der Partner. Dem zweiten Elternteil bleibt nur die Möglichkeit des kleinen Sorgerechts. Es gewährt Mitentscheidungen in Angelegenheiten des täglichen Lebens. Die Studie zeige, dass dieses Rechtsinstrument in der Praxis gut angenommen werde, meinte Zypries. Die Mehrheit der Kinder hatte keine Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung der Eltern erfahren.

Die Ministerin beklagt, dass die Reform mit der Union nicht zu machen sei

Die Ministerin forderte, Deutschland müsse das europäische Adoptionsübereinkommen zeichnen, das Adoptionen durch homosexuelle Paare vorsieht. Die Union sähe sich dazu allerdings „nicht in der Lage“, kritisierte die SPD-Politikerin. Auch eine Studie der Bosch-Stiftung mit dem Titel „Starke Familie – Solidarität, Subsidiarität und kleine Lebenskreise“ war kürzlich zu dem Schluss gekommen, die Politik müsse die Rechte von Gemeinschaften jenseits der traditionellen Familie stärken, die füreinander Verantwortung übernehmen.

FDP und Grüne begrüßten Zypries’ Forderung nach einem gemeinsamen Adoptionsrecht. Dies sei „Ausdruck der Lebensrealität in unserer Gesellschaft“, sagte FDP-Vizefraktionschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Nach Ansicht der Grünen belegt die Studie, „wie realitätsfremd das Familienbild der Union ist, die eine rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften als Widerspruch zum Wohle des Kindes ablehnt“. (hmt)

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