Kinderbetreuung : Berlin im Plan – 146 000 Kitaplätze

Berlin wird den Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für die Kleinsten zum 1. August einlösen können.

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Ab dem 1. August haben alle Eltern von auch sehr kleinen Kindern einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz.
Ab dem 1. August haben alle Eltern von auch sehr kleinen Kindern einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz.Foto: dpa

Das Land Berlin gibt Entwarnung beim Kita-Ausbau. Zum Stichtag 1. August werden vorübergehend 12 000 freie Plätze zur Verfügung stehen, wie die Senatsverwaltung für Bildung am Donnerstag mitteilte. Weil in den folgenden Monaten neue Kinder in die Kita kommen, verringert sich diese Reserve allerdings bis zum Jahresende auf rund 6000 Plätze. Die Behörde rechnet damit, dass Ende 2013 insgesamt 140 000 Kinder in Berlin in einer Kita oder einer Tagespflegestelle betreut werden. Dem stehen 146 000 Plätze gegenüber, von denen 2000 noch in den nächsten Monaten geschaffen werden.

Ab dem 1. August dieses Jahres haben Eltern einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für ihre ein- und zweijährigen Kinder. Darauf hatten sich Bund, Länder und Kommunen im Jahr 2007 verständigt. Bisher gibt es einen solchen Anspruch erst für Kinder ab drei Jahren.

Die Bundesfamilienministerin ist zuversichtlich, dass alle Kinder untergebracht werden

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass das Versprechen weitgehend eingelöst werden kann. Auf Basis der Zahlen, die ihr zur Verfügung stünden, könne man davon ausgehen, dass am 1. August „zahlenmäßig nahezu ausreichend Kita-Plätze real in Betrieb sein werden“, sagte die Ministerin. Im Laufe des Kita-Jahres 2013/14 würden rund 813 000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen sein. Das sind gut 30 000 mehr als ursprünglich veranschlagt. Dabei gibt es aber in den Regionen deutliche Unterschiede. Vor allem außerhalb der Großstädte stünden zum Stichtag genügend Kita-Plätze zur Verfügung, während es in Ballungszentren noch zu Engpässen kommen könne, sagte die Familienministerin.

Diese Einschätzung teilten auch die Spitzenkandidaten von SPD und Grünen, Peer Steinbrück und Katrin Göring-Eckardt. Die Grünen-Politikerin wies zudem auf einen Mangel an Erzieherinnen hin. Steinbrück bekräftigte, eine rot-grüne Regierung werde als eine ihrer ersten Maßnahmen das Betreuungsgeld, das ab 1. August ausgezahlt wird, streichen.

Die Zahlen stimmen, aber stimmt auch die Qualität der Betreuung?

Der Präsident des Deutschen Städtetags, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), hält den von der Regierung berechneten Bedarf an Kinderkrippenplätzen für nicht ausreichend. Der Bund gehe von einer Versorgungsquote von 39 Prozent aus. „Ich bin aber für folgende Zählung: Wenn das letzte Kind, das einen Platz braucht, einen bekommen hat, dann sind wir fertig“, sagte Maly. Er gehe von einem Anteil von 50 Prozent aus; in manchen Städten werde der Bedarf an Krippenplätzen aber auch deutlich höher liegen.

Das Deutsche Kinderhilfswerk und die Arbeiterwohlfahrt mahnten, die Qualität der Betreuung über den Zahlen nicht zu vergessen. Ähnlich äußerte sich die Berliner Grünen-Politikerin Ramona Pop. Eine der größten Hürden für den weiteren Ausbau sei der Mangel an Erziehern. „Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, brauchen wir bessere Möglichkeiten für Quereinsteiger und größere Ausbildungskapazitäten“, sagte Pop. Auch das bestehende Personal müsse qualifiziert werden.

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