Kinderbetreuung : "Dabei bleibe ich"

Kritik von allen Seiten: Der Augsburger Bischof Walter Mixa wird wegen seiner Äußerungen zur Familienpolitik auch von führenden Unions-Vertretern und der evangelischen Kirche attackiert. Der Bischof selbst wiederholte seine Aussagen.

Berlin - "Was Bischof Mixa sagt, hat leider mit der Realität in unserem Land wenig zu tun", sagte CDU-Vize Jürgen Rüttgers der "Bild am Sonntag". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte sich erneut hinter Familienministerin Ursula von der Leyen (beide CDU). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sagte zu Mixas Äußerungen: "Einen sachlichen Beitrag zur Diskussion kann ich darin nicht erkennen." Mixa wiederholte unterdessen seine Aussage, Frauen würden durch die Politik von der Leyens zu "Gebärmaschinen" degradiert: "Dabei bleibe ich".

Merkel sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", sie teile die Kritik Mixas nicht. "Ich unterstütze Frau von der Leyen, wenn sie auf einen Ausbau der Kinderbetreuung dringt", fügte die Kanzlerin hinzu. Merkel plädierte ebenso wie Rüttgers für eine Wahlfreiheit der Eltern, wie sie Kinderbetreuung gestalten. Rüttgers sagte dazu weiter, bisher gebe es allerdings "diese Wahlfreiheit in Deutschland objektiv nicht, weil Krippenplätze fehlen". Zudem müssten in vielen Familien beide Eltern arbeiten, weil sonst das Einkommen nicht reicht. "Krippenplätze erleichtern die Entscheidung vieler Paare für Kinder", sagte Rüttgers.

Frage nach den Männern

Huber sagte der "Berliner Zeitung" vom Samstag, die evangelische Kirche unterstütze die Pläne der Bundesregierung für einen Ausbau der Kleinkinderbetreuung voll und ganz. Über die Wortwahl Mixas sei er "sehr erstaunt". Zugleich stellte Huber die Frage, warum nur Frauen und nicht Männern vorgeworfen werde, sie würden sich wegen Berufstätigkeit ihren Kindern entziehen. Der evangelische Landesbischof Thüringens, Christoph Köhler, stellte sich in der "Thüringer Allgemeinen" ebenfalls hinter von der Leyen. Die Ministerin gehe mit ihrem Engagement für mehr Krippenplätze ein Problem an, das es in Deutschland sei vielen Jahren gebe.

Sachsens Landesbischof Jochen Bohl warnte in der "Sächsischen Zeitung" allerdings davor, Kinder zu früh in die Krippe zu geben. Auch er nannte aber die Kritik Mixas "überzogen". Der katholische Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es sei wichtig, "dass wir die Familien ermutigen, so viel Zeit wie möglich mit ihren Kindern zu verbringen. Es dürfe "niemand schief angesehen werden, der sein Kind nicht in der Krippe hat". Gleichzeitig müssten Staat und Kirchen aber auch Hilfen geben, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

Mixa lehnt Entschuldigung ab

Mixa lehnte es in der "Bild"-Zeitung vom Samstag ab, sich bei von der Leyen für seinen Vorwurf zu entschuldigen, die Ministerin degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen". "Meine Kritik richtet sich gegen eine Politik, die es einseitig fördert, dass junge Mütter ihre kleinen Kinder kurz nach der Geburt in staatliche Fremdbetreuung geben sollen", sagte der katholische Bischof.

Die frühere Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) wertete die Äußerungen Mixas in der "Frankfurter Rundschau" als "unglaubliche Beleidigung". Von der Leyen rief in der Debatte zu "mehr Sachlichkeit" auf. "Junge Mütter, die daheim bleiben und ihre Kinder betreuen, dürfen nicht gegen berufstätige Mütter ausgespielt werden". Beides müsse möglich sein, sagte sie der Hannoverschen "Neuen Presse". (tso/AFP)

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