Kinderhilfswerk : Garlichs bleibt Chef von Unicef

Der Vorstand spricht dem Geschäftsführer des Kinderhilfswerkes erneut das Vertrauen aus. Allerings soll sich einiges ändern. Besonders wichtig: Eine transparentere Finanzberichterstattung.

Werner Kurzlechner

Berlin – Die Spitze von Unicef Deutschland zieht keine personellen Konsequenzen aus den Wirren um undurchsichtige Verträge mit externen Beratern. Der im Kreuzfeuer der Kritik stehende Geschäftsführer Dietrich Garlichs bleibt im Amt. „Selbstverständlich habe ich über einen Rücktritt nachgedacht“, bekannte er auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin. Ein Rücktritt wäre „ein Signal gewesen, dass die Vorwürfe berechtigt sind“. Trotzdem gab er am Mittwoch eigene Fehler zu.

Der ehrenamtliche Vorstand des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen sprach Garlichs das Vertrauen aus. „Wir wollen uns nicht im Sturm vom Steuermann trennen“, sagte Rolf Seelmann-Eggebert, Adelsexperte der ARD und Unicef-Vorstandsmitglied.

Laut Carmen Creutz, Sprecherin der ehrenamtlichen Unicef-Arbeitsgruppen, sagten sich von den bundesweit rund 8000 ehrenamtlichen Mitarbeitern nur Einzelne von der Organisation los. „Die letzten Wochen waren ein Alptraum“, sagt sie. Die Berichterstattung der vergangenen Tage habe Unicef geschadet. Dennoch will die deutsche Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen der Organisation treu bleiben. „Ich werde mich persönlich noch stärker engagieren“, kündigte die Fernsehmoderatorin an. „So einen Vertrauensverlust hat Unicef trotz der Fehler nicht verdient.“ Außer der Schwimmerin Sandra Völker seien keine prominenten Unterstützer abgesprungen, sagte Christiansen. Ihre Kollegen Nina Ruge und Steffen Seibert vom ZDF hätten sich sogar demonstrativ hinter die Organisation gestellt.

„Es sind keine Spenden veruntreut worden“, sagte Christiansen. Sie prangerte gleichwohl Versäumnisse an – vor allem eine schlampige Kommunikationspolitik. Nun müsse das verlorene Vertrauen wiederhergestellt werden, sagte die Moderatorin. Wie das im einzelnen geschehen soll, haben Geschäftsführung und Vorstand in einem Strategiepapier zusammengefasst. Danach verpflichtet sich die Geschäftsführung, ihre Arbeit künftig regelmäßig von unabhängigen Fachleuten überprüfen zu lassen. Den Geschäftsbericht will Unicef um eine Bilanz sowie eine Gewinn- und Verlustrechnung erweitern.

Bei der Kontrolle der Finanzen verspricht Unicef, Vorschläge der Wirtschaftsprüfer von KPMG zu berücksichtigen. Der KPMG-Bericht zu den Praktiken bei Unicef hatte die Krise ausgelöst und zum Rücktritt der Unicef-Vorsitzenden Heide Simonis geführt. Die endgültigen Vorschläge der Finanzexperten erwartet das Hilfswerk in den kommenden Tagen. Doch schon vorab hat Unicef eigene Leitlinien für die Zukunft aufgestellt. Aufträge sollen künftig ausgeschrieben werden, „wo es möglich ist“. Mitarbeiter, die Verträge unterzeichnen, sind gehalten, sämtliche Beziehungen zum Vertragspartner offen zu legen. Persönliche Geschenke müssen die Helfer in Zukunft entweder ablehnen oder anzeigen.

Außerdem dürfen für Unicef tätige Firmen nicht mehr auch privat von den Mitarbeitern beschäftigt werden, die für das Hilfswerk die Verträge mit ihnen schlossen. Garlichs gestand ein, den Architekten der Unicef-Geschäftsstelle auch mit dem Bau seines Privathauses beauftragt zu haben. Er habe dies allerdings erst nach Rücksprache und mit Billigung des Vorstandes getan. Lediglich mündliche Vereinbarungen soll es ab sofort nicht mehr geben. Unicef wird Verträge laut Garlichs fortan schriftlich fixieren. Verträge auf Provisionsbasis seien auch bisher nur in Ausnahmefällen geschlossen worden, sagte Garlichs.

Der Übergangsvorsitzende Reinhard Schlagintweit konstatierte zwar: „Zweifellos befindet sich das deutsche Komitee der Unicef in einer Krise.“ Doch die auf dem Podium Anwesenden sahen die Schuld dafür nicht nur bei sich selbst. So kritisierte Schlagintweit seine Vorgängerin: Simonis habe es am Willen oder der Fähigkeit gemangelt, sich „voll hinter die Institution zu stellen“. Schlagintweit nannte als Krisenursache strukturelle Probleme, die alle großen Spendenorganisationen zu bewältigen hätten. Mit den Spendengeldern würden nicht nur Hilfsprojekte finanziert, sondern auch die Kosten für Verwaltung und Werbung. Dies habe die Unicef-Führung der Basis bisher nicht ausreichend vermittelt.

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