Kinderhilfswerk : Unicef-Geschäftsführer Garlichs tritt zurück

Verschwendungsvorwürfe, Imageverlust: Die anhaltenden Diskussionen um Versäumnisse bei Unicef Deutschland haben jetzt zu personellen Konsequenzen geführt. Der umstrittene Geschäftsführer Dietrich Garlichs gibt auf.

Christoph Driessen[dpa]
Garlichs
Dietrich Garlichs räumt "Schlampereien" ein. -Foto: dpa

KölnAm Mittwoch hatte Dietrich Garlichs in einer Pressekonferenz in Berlin noch beteuert, dass ein Rücktritt für ihn nicht in Frage kommt, weil dies als Schuldeingeständnis interpretiert werden könnte. Zwei Tage später ist es dann doch soweit: Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks Unicef gibt Garlichs auf. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue.

Den Ausschlag für Garlichs' Rückzug gaben wohl unmissverständliche Drohungen einiger Großspender. Sie hatten deutlich gemacht, dass ihnen die Berliner Pressekonferenz als Zeichen des Neuanfangs keineswegs ausreichte. So schrieb der Geschäftsführer des Rabattpunkte-Unternehmens Payback, Alexander Rittweger, er hoffe, "dass Unicef den Ernst der Lage erkennt und rasch die richtigen - auch personellen - Konsequenzen zieht". Sonst werde er sich eine andere Organisation suchen.

"Unizoff statt Unicef"

Es ging am Ende gar nicht mehr darum, ob die Vorwürfe gegen Garlichs nun berechtigt waren oder nicht: Sein Verbleiben im Amt schadete der Organisation so oder so, weil seine zahlreichen Gegner ihre Angriffe immer wieder erneuerten. "Unizoff statt Unicef", titelte der Kölner "Express". So sahen es am Ende auch Leute, die Garlichs für seine Arbeit bewundern.

Der 60 Jahre alte Geschäftsführer galt bis zu Beginn der Krise als Star seiner Sparte. Er hatte das Spendenaufkommen bei Unicef in seiner Amtszeit auf einen Milliardenbetrag vervierfacht. Garlichs schloss Verträge mit Konzernen und Großsponsoren, gewann Prominente als Botschafter, etablierte Wohltätigkeitsbälle und Spendengalas, baute den Grußkartenverkauf vor Weihnachten aus. Abertausende von Kindern haben davon profitiert.

Gerade diese "Professionalisierung" war es jedoch, die ihn am Ende zu Fall gebracht hat. Garlichs entging, dass die Öffentlichkeit bei Unicef immer noch an scheppernde Sammelbüchsen dachte und nicht an Schecks von Procter & Gamble. Als Ende vergangenen Jahres herauskam, dass Garlichs externen Berater Tagessätze von 700 Euro zahlte, liefen Unicef die Spender in Scharen weg. Garlichs verstand es nicht. "Wenn man zum Beispiel ein Computersystem ans Laufen kriegen will, dann braucht man dafür Spitzenleute, und wenn man da nicht die richtigen Leute hat und es hinterher nicht klappt, würde die Organisation dadurch viel mehr Geld verlieren", sagte er.

Garlichs räumt Fehler ein

Das fanden aber längst nicht alle überzeugend. "Ich verdiene nicht so viel, aber ich habe immer mal wieder 20 Euro an Unicef gespendet", sagt die Sekretärin Petra Inodlu aus Köln. "Das mache ich jetzt natürlich nicht mehr. 20 Euro - was ist das schon bei solchen Tagessätzen." Erst in dieser Woche gab Garlichs erstmals zu, dass er Fehler gemacht hat: "Heute weiß ich, dass die Beauftragung eines Beraters nicht von der Organisation mitgetragen wird", erklärte er. "Es war ein schwerer psychologischer Fehler."

Die Unicef-Krise war nach Meinung vieler außerdem ein PR-Fiasko. Die Organisation reagierte immer nur auf Kritik, ließ nur so viel raus wie eben nötig und schönte zunächst sogar die Beurteilung der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG, die die schwersten Vorwürfe widerlegt, aber einiges an Schlampereien zutage gefördert hatte. Vielleicht war dies typisch für eine Einrichtung, die bis dahin nichts anderes als Zustimmung gekannt hatte.

Nun muss Unicef sein stark in Mitleidenschaft gezogenes Ansehen langsam wieder aufbauen. Das wichtigste Rezept dafür: Transparenz. Alle Experten sind sich einig, dass die Organisation ihre Einnahmen und Ausgaben viel detaillierter offenlegen muss. Manch einer befürchtet auch Nachteile durch diese Entwicklung: Aufwändige Aktionen in Katastrophengebieten, die zwangsläufig hohe Verwaltungskosten mit sich bringen, könnten Unicef und andere Hilfsorganisationen künftig scheuen, um sich nur ja nicht dem Vorwurf der Verschwendung auszusetzen.

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