Kinderleiche in Bremen : Heimleiter erhebt schwere Vorwürfe gegen Amt

Nach dem Tod des zweijährigen Kevin wird die Frage laut, wer für die Tragödie Verantwortung trägt. Der Leiter des Kinderheimes, in dem der Junge kurz untergebracht war, erhebt schwere Vorwürfe gegen das Amt für Soziale Dienste.

Bremen - Die Behörde habe den Jungen zum Vater gebracht, obwohl das Heim mehrfach dagegen interveniert habe, sagte der Leiter des Hermann-Hildebrandt-Hauses, Joachim Pape. Kevin war das erste Mal in das Kinderheim gekommen, als er zehn Monate alt war. Damals hatte die Polizei die drogenabhängige Mutter zusammen mit dem Baby aufgegriffen. Der Säugling wog 7,5 Kilogramm. Als der Junge nach dem Tod der Mutter ein Jahr später wieder von der Polizei ins Kinderheim gebracht wurde, hatte er gerade einmal 500 Gramm zugenommen. "Das hat uns ziemlich schockiert", sagte Pape.

Für das Kind sei die Situation bedrohlich gewesen. Auch seine motorische und sprachliche Entwicklung habe Sorge bereitet, sagte Pape. Er habe daraufhin einen Maßnahmenkatalog erstellt, um zu prüfen, was mit dem Jungen los ist. Das Heim habe dem Amt für Soziale Dienste mündlich und schriftlich mitgeteilt, dass es den Jungen in der Einrichtung behalten möchte. Von der Behörde sei niemand vorbeigekommen, um sich den Jungen anzusehen.

Amt war frei in der Entscheidung

Dennoch wies der zuständige Mitarbeiter des Amtes für Soziale Dienste an, dass der uneheliche Junge dem Vater übergeben werden sollte, sobald dieser aus der Psychiatrie entlassen werde. Nach dem Tod der Mutter von Kevin war der Drogenabhängige dorthin zwangsweise eingewiesen worden. "Dabei wäre das Amt für Soziale Dienste ganz und gar frei in seinen Entscheidungen gewesen, da es ja eine Amtsvormundschaft gab", sagte Pape.

Als der Vater den Jungen nach zwei Wochen im Heim abholte, habe der Mann einen beeinträchtigten Eindruck gemacht. In Sorge um den Jungen habe er Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) von dem Fall berichtet, der auch sofort reagiert habe. Es sei "unglaublich", dass es beim Amt für Soziale Dienste auf Nachfragen immer wieder geheißen habe, alles sei in Ordnung, obwohl seit April gar kein Kontakt mehr zu dem Jungen bestand. (tso/ddp)

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