Kinderpornos : Prozess gegen Tauss: Immer neue Aussagen

Hat Jörg Tauss den Ermittlern zunächst nicht die Wahrheit gesagt? Dieser Eindruck drängte sich am zweiten Prozesstag gegen den früheren SPD-Politiker auf.

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Um sich Kinderpornos zu verschaffen, hat Jörg Tauss den Namen seines langjährigen Mitarbeiters in der SPD-Fraktion benutzt und ihn dadurch einem Ermittlungsverfahren ausgesetzt. Dies ergab der zweite Prozesstag gegen den früheren Bundestagsabgeordneten. Der Parlamentsreferent Johannes K. sagte am Donnerstag vor dem Karlsruher Landgericht aus, er habe davon zunächst nichts gewusst. „Wir hatten ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis“, sagte der Zeuge, der vor 15 Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Tauss’ Büro angefangen hatte. Er widersprach Tauss jedoch, der gesagt hatte, es sei im Bundestag bekannt gewesen, dass er als Internetexperte seinen Politikerkollegen auch Kinderpornografie zu Studienzwecken bereitgestellt habe. „Mir war nichts bekannt.“

Tauss ist angeklagt, Kinderpornos besessen und via Mobiltelefon weitergegeben zu haben. Er rechtfertigt sich damit, er habe in der Szene recherchiert, um Erkenntnisse für seine politische Arbeit zu gewinnen. Am Donnerstag berichtete zudem der leitende Ermittler Günther H. dem Gericht von offenbar zunächst falschen Angaben des Verdächtigen, als er Tauss nach einem Handy mit Bilddateien fragte. Tauss habe gesagt, das Telefon sei bei seinem Neffen in Tübingen. Die Ermittler prüften die Angaben – erfolglos. Stattdessen tauchte das gesuchte Handy in Tauss’ Berliner Wohnung auf. Der Politiker habe dann erklärt, er habe das Handy „aus einem Mietwagen gekramt“.

Die Polizei kam Tauss auf die Spur, als sie die Wohnung eines Bremerhavener Lagerarbeiters durchsuchte, der mit Kinderpornos handelte. Bei ihm entdeckte die Polizei einen von Tauss handgeschriebenen Zettel, darauf dessen Berliner Anschrift. Allerdings hatte er den Nachnamen seines Fraktionsmitarbeiters angegeben, der die Wohnung in Berlin-Mitte gemietet hatte, in der später Tauss wohnte. Der Name von Johannes K. stand noch am Briefkasten. Dorthin ließ Tauss sich Kinderporno-DVDs schicken.

„Ich war sehr skeptisch, als wir mit den Ermittlungen begannen“, schilderte der Kripobeamte Günther H. die Lage vor den Durchsuchungen. Er wohne im Wahlkreis von Tauss und sei in der Landespolizeidirektion zuständig für prominentere Verdächtige. „Wenn ein Ruf einmal geschädigt ist, kann man das nicht wiedergutmachen“, sagte H. Die Ermittler hatten allerdings 27 Kontakte mit dem Bremerhavener Verdächtigen von Tauss’ Handy aus gezählt, meist unmittelbar vor oder während der Sitzungswochen in Berlin. Als Tauss den Zettel sah, habe er gesagt, es sei ihm „unerklärlich“, wie er nach Bremerhaven gelangt sei. Er habe ihn „für Warensendungen“ geschrieben. SPD-Fraktionsjustiziar Klaus Uwe Benneter habe sich daraufhin an Tauss gewandt: „Jörg, ich glaube, du solltest jetzt nichts mehr sagen.“

Die Polizisten fanden später schwule Stadtführer und Homo-Pornoliteratur in Tauss’ Wohnung. Unter dem Bett lag ein Koffer mit homosexueller Pornografie, die angesichts des Alters der Darsteller „grenzwertig“ gewesen sei, sagte der Beamte. Das Handy mit den strafbaren Dateien war jedoch in einem Reisekoffer verwahrt. Tauss sagte dazu, er habe mit dem Material Vertrauen in der Szene erweben wollen.

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