Kindesmissbrauch : Frühwarnsystem startet in Norddeutschland

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen will das angekündigte Frühwarnsystem zur Aufdeckung von Kindesmisshandlung zunächst in Norddeutschland installieren.

Berlin - Noch im November solle der Aufbau eines solchen Netzes in fünf Städten im Norden beginnen, sagte von der Leyen (CDU) in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte". Anfang 2007 sollten dann Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen folgen.

Nach dem tragischen Tod des zweijährigen Kevin in Bremen, der in der Wohnung seines als gewalttätig bekannten Vaters tot im Kühlschrank gefunden wurde, will die Ministerin die Abstimmung zwischen staatlichen Stellen, Jugendhelfern, Einrichtungen im Gesundheitswesen und Sozialarbeitern verbessern. Ziel sei es, dass gefährdete Kinder "nicht in einem Vakuum" landeten und allein gelassen würden.

Die Deutsche Kinderhilfe Direkt (DKD) forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Kinderschutz-Gipfel. Kinder- und Jugendhilfe dürften nicht nach Kassenlage betrieben werden, sagte DKD-Vorsitzender Georg Ehrmann der "Leipziger Volkszeitung". Die Rückkehr Kevins zu seinem drogensüchtigen Vater sei ein "typisches Beispiel", wie Kinderhilfe in Deutschland funktioniere. Weil es an Unterbringungsmöglichkeiten für gefährdete Kinder fehle, werde der Trend begünstigt, ein Kind möglichst lange in der Familie zu lassen. In solchen Fällen müssten regelmäßige Besuche der Jugendhilfe zu Hause erfolgen. Allerdings seien auch die Jugendämter meist vollkommen überlastet, sagte Ehrmann. (tso/ddp)

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