Politik : „Kindeswohl und Elternwohl sind eine Einheit“

Rita Süßmuth

ereinbarkeit von Familie und Beruf – seit den späten 60er Jahren kontrovers diskutiert – ist in Wahrheit kein Frauenproblem, sondern eine Kinderfrage und entsprechend ein Eltern- und Gesellschaftsproblem. Kindeswohl und Elternwohl bilden eine unauflösliche Einheit, bedingen sich wechselseitig. Das konnte ich als Familien- und Jugendministerin fest im neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz verankern. Elternzufriedenheit ist eine wichtige Voraussetzung für kindliches Wohlbefinden. Zentrale Erziehungsinstanz sind die Eltern. Sie brauchen nicht nur Berufszufriedenheit und Einkommen, sondern ebenso wichtig ist Zeit, nämlich Zuwendungszeit für Kinder. Familienergänzende, die Entwicklung fördernde frühkindliche und vorschulische Erziehung schaden Kindern nach heutigem Erkenntnisstand nicht, das Gegenteil ist der Fall. Erziehung – das ist meine persönliche Erfahrung – bedeutet in erster Linie Kinder zu lieben, sie spüren zu lassen: Du gehörst zu uns, wir gehören zu dir. Kinder zu lieben heißt nicht gewähren lassen, sondern Bedürfnissen und Fähigkeiten Rechnung tragen und zugleich Grenzen setzen. Kinder brauchen wie wir Erwachsenen Regeln, an die sich alle halten und die täglich eingeübt und praktiziert werden müssen. Erziehen heißt auch, im Alltag sehr früh Werte zu vermitteln wie etwa Achtsamkeit, Behutsamkeit, Fürsorglichkeit, Selbständigkeit und Verantwortungsfähigkeit. Das tägliche Aufräume, Teilen können, Gewinnen und Verlieren können, gehören dazu. Erziehen beinhaltet ferner Verlässlichkeit. Für Kinder ist entscheidend, dass sie erfahren, meine Eltern sind da, wenn ich sie dringend brauche.

Rita Süßmuth

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar