Politik : Kinkel feiert seinen 70. – Respekt

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Berlin - Ein rechter Schwob, aufrecht und anständig, der sich in die Welt aufmachte – das ist Klaus Kinkel. Dabei bodenständig geblieben, selbst wenn er nicht mehr in Hechingen wohnt, am Fuße der Hohenzollernfeste, von wo er aufbrach, sondern in Bonn. Der „Außen- Klaus“ hieß er in seinen sechs Jahren im Außenamt, und keiner konnte so viele Schlagzeilen des Inhalts „ … sagt Hilfe zu“ auf sich vereinen. 70 Jahre ist er jetzt, kaum zu glauben, so staunenswert jung ist Kinkel geblieben.

Es gibt Schlimmeres, als von einem der bedeutendsten Kanzler gewürdigt zu werden. Helmut Kohl hatte sich aufgemacht, ja, wohin wohl, in Baden- Württembergs Vertretung, um Kinkel seinen tief empfundenen Dank abzustatten. Wie nach ihm Hans-Dietrich Genscher und vorher Guido Westerwelle, die Anekdotisches erzählten, das zeigte: Sie verdanken auch ihm ihre Karrieren.

Jetzt erfährt Kinkel Respekt für die geleistete Arbeit; Respekt, der mit den Jahren wächst. Wenig glücklich war er nur als FDP-Chef, auch weil er sein Herz zuweilen auf der Zunge trägt. Dass aber Kinkel der womöglich bisher bedeutsamste bundesdeutsche Justizstaatssekretär und -minister war; dass er sich an die RAF heranwagte, um Deutschland endgültig von der bleiernen Zeit befreien zu helfen; dass Kinkel die deutsch-tschechische Versöhnung vorantrieb; dass er es war, dem die „Magna Charta“ der EU nicht zuletzt zu verdanken ist, der Amsterdamer Vertrag von 1997; dass Kinkel Osteuropa mit Passion an Europa heranführte – alles das rief Kohl den vielen, vielen Gästen in Erinnerung. Und Rührung breitete sich aus, auch die. Denn Weggefährten allzumal waren gekommen – und für die gegenwärtige Regierung Michael Glos, der als Wirtschaftsminister amtiert. Man hätte sich mehr von ihnen gewünscht. cas

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