Politik : KIOSK

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„Befremdlich ist nur, dass eine seriöse Zeitung wie der Tagesspiegel sich genötigt sieht (und tatsächlich genötigt wird), eine Veröffentlichung zu erklären und zu rechtfertigen, die keiner Erklärung und keiner Rechtfertigung bedarf. An dieser Stelle wird aus dem Witz tatsächlich Ernst.

Die journalistische Arbeit unterliegt tatsächlich Grenzen … Aber unsere Grenzen werden im Grundgesetz definiert, in den Pressegesetzen der Länder, in vielen anderen Dokumenten … Der Koran gehört nicht dazu, die Bibel auch nicht. … Wir unterwerfen uns dem Recht und den Gerichtsurteilen. Wir unterwerfen uns aber nicht den Vorurteilen einer humorresistenten islamischen Geschmackspolizei, der alles Westliche als dekadent, alles Ungläubige als moralisch verkommen gilt. …

Die Deutschen müssen nicht darüber lachen, dass englische Boulevardzeitungen sie prinzipiell nur als Adolf Nazi zeigen, mit Stahlhelm, im Panzer. Sie müssen es nur ertragen.“

„Der Karikaturist Klaus Stuttmann, der regelmäßig auch für die FTD zeichnet, erhielt Morddrohungen, weil sich Iraner von einer im ,Tagesspiegel’ erschienenen Zeichnung beleidigt fühlten. … Die FTD hatte die Zeichnung nicht gedruckt, weil wir sie nicht für gelungen hielten. … ABER: Solche Stilfragen werden irrelevant, wenn Gewalt eingesetzt wird.“

„Der Streit um die Mohammed-Karikaturen ist noch nicht abgeebbt, da hat im Tagesspiegel ein Karikaturist iranische Fußballspieler mit Sprengstoffgürteln um den Leib gezeichnet. Dies war kein religiöser Gehalt. Doch das Klischee, der Muslim als Terrorist, empörte iranische Gemüter kaum weniger, obwohl der Zeichner das Klischee nicht gegen die Iraner verwendete, sondern es den Befürwortern eines Einsatzes der Bundeswehr bei der Fußball- WM unterstellte. Diese Differenzierung kam in Teheran nicht an, der Karikaturist wurde mit dem Tode bedroht. … Je engstirniger die orientalische Welt sich … gegen den Westen einrichtet, desto mehr muss dieser sein Verständnis für die andere Kultur aufrechterhalten – gerade dort, wo der Orient dies verweigert.“

„Nun also auch bei uns. Eine Karikatur in der Freitagsausgabe des Berliner Tagesspiegels geht in Windeseile um die Welt und führt zu Molotowcocktails auf die deutsche Botschaft in Teheran und Morddrohungen an den Zeichner, der sich nicht mehr in seine Wohnung wagt. Und wieder ist der Stein des Anstoßes … nicht die Gotteslästerung, obwohl iranische Fußballspieler anbetungswürdig sind. Zorn erregt die Verbindung von Islam und Terror, die bekanntlich nicht der Karikaturist erfunden hat. Zorn erregt auch die Freiheit der Selbstironie, denn die Karikatur richtete sich gegen die Staatsmacht in Form der Bundeswehr, so was kann man in den meisten islamischen Staaten nicht machen.“

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