Kirche : Russisch-orthodoxer Patriarch Alexi II. gestorben

Er war das Oberhaupt von etwa 100 Millionen russisch-orthodoxen Christen: Am Freitag ist Patriarch Alexi II. im Alter von 79 Jahren in Moskau gestorben. Der Vatikan nahm die Todesnachricht mit Bestürzung auf.

Alexi II.
Alexi II. beim orthodoxen Osterfest 2007 in Moskau. -Foto: dpa

Moskau/RomAls Ursache für den Tod Alexis II. nannte die russisch-orthodoxe Kirche Herzinfarkt. Der Deutschbalte, mit bürgerlichem Namen Alexej Rüdiger, hatte als Oberhaupt seit 1990 die Kirche in den chaotischen postsowjetischen Jahren zusammengehalten. Alexi II. stand für eine zaghafte Annäherung an die katholische Kirche. Er sprach sich aber gegen einen Papst-Besuch mit dem Argument aus, der Vatikan wolle dabei für den katholischen Glauben in Russland werben.

Mit Bestürzung nahm der Vatikan den Tod des Patriarchen auf. Alexi habe dem Papst gegenüber immer seinen Wunsch deutlich gemacht, "die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche zu stärken", erklärte der für die Ökumene zuständige Kurienkardinal Walter Kasper. Das habe der Patriarch als seine persönliche Aufgabe angesehen, die er "trotz der gelegentlichen Schwierigkeiten und Spannungen niemals in Zweifel gezogen hat", sagte Kasper. Im kommenden Jahr hätte der Patriarch, der fließend Deutsch sprach, den Papst erstmals auf einer Konferenz in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku treffen wollen.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew lobte auf einer Indien-Reise den Patriarchen als "großen Helden" seines Landes. "Er hat einen gewaltigen Beitrag zum geistigen Leben und zur moralischen Verfassung der Gesellschaft geleistet", sagte der Kremlchef, der eigens seine Weiterreise nach Italien absagte. Wie kein Zweiter habe Alexi im Vielvölkerstaat Russland zum Ausgleich zwischen den Religionen beigetragen. In Moskau läuteten die Glocken aller 600 Kirchen.

Auslandskirchen wieder vereinigt

Zu den großen Verdiensten Alexis zählen Kirchenexperten die Vereinigung mit der zu Sowjetzeiten abgespaltenen Auslandskirche im Vorjahr. Noch am Wochenende hatte der Patriarch in München und damit erstmals im Ausland einen gemeinsamen Gottesdienst mit der russischen Auslandskirche gefeiert. In den fast zwei Jahrzehnten als Kirchenoberhaupt stand Alexi im ständigen Spannungsverhältnis zwischen liberalen, konservativen und nationalistischen Kräften. Das Oberhaupt wurde nicht zuletzt wegen seiner ökumenischen Initiativen eher dem liberalen Flügel zugerechnet. Zugleich wetterte er aber auch im Geiste der Kreationisten gegen Darwins Evolutionstheorie und verurteilte mit scharfen Worten die Homosexualität.

Der 1929 im estnischen Tallinn geborene Alexi entstammte einer Kaufmannsfamilie. Als Bischof hatte er zu Sowjetzeiten intensive Auslandskontakte, was ihm den Vorwurf einbrachte, Kontakte zum Geheimdienst KGB zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Memorial machte am Freitag aber deutlich, der Verstorbene habe viel zur Rehabilitierung der Opfer stalinistischen Terrors beigetragen.

Die russisch-orthodoxe Kirche gründete sich im Jahr 988 mit der Taufe des Kiewer Großfürsten Wladimir. Nach dem Schisma (Kirchenteilung) von 1054 und der osmanischen Eroberung Konstantinopels sah sich Moskau als das "dritte Rom". Bis heute hat die russisch-orthodoxe Kirche große Vorbehalte gegen andere christliche Konfessionen. (mhz/dpa)

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