Politik : Kirche und Ethik: Glaube, Geld und Gentechnik

Fabian Leber

Mehr als 100 000 Teilnehmer erwarten die Veranstalter des 29. Deutschen Evangelischen Kirchentags, der am Mittwoch in Frankfurt am Main beginnt. Die 2 500 Veranstaltungen des weltweit größten Protestantentreffens stehen unter dem biblischen Motto "Du stellst meine Füße auf weiten Raum". In Bibelarbeiten, Vorträgen und Diskussionsrunden soll es bis zum Sonntag vor allem um die Themenbereiche Glaube, Geld und Gentechnik gehen.

"Die Themensetzung hat sich im Hinblick auf die aktuelle Situation bewährt", sagte die Generalsekretärin des Kirchentags, Friederike Woldt vor der Eröffnung. Sie hoffe, dass es bei den Veranstaltungen auch zu einem Dialog mit den Menschen in Frankfurt komme, die keine Dauerkarte hätten. So wird etwa das Frankfurter Bahnhofsviertel mit seiner Rotlichszene ein Standort sein. Wenige Monate vor der Einführung des Euro soll in der Bankenstadt auch über den verantwortlichen Umgang mit Geld diskutiert werden, unter anderem mit Bundesbankpräsident Ernst Welteke und Wirtschaftsführern. Geld und Ethik müssten in ein "konstruktives Spannungsverhältnis" gebracht werden, forderte Kirchentagspräsident Martin Dolde, ein früherer Manager bei DaimlerChrysler. Mit einer Aktion "Die Würde des Menschen ist unantastbar" will der Kirchentag an allen fünf Tagen Zeichen gegen fremdenfeindliche Gewalt setzen.

Den Auftakt des Kichentags bildet am Mittwochabend ein "Abend der Begegnung" mit 50 zeitgleichen Gottesdiensten und einer zentralen Eröffnungsveranstaltung am Frankfurter Römerberg. Zu den Mitwirkenden beim Kirchentag zählen laut Programm zahlreiche Prominente aus Politik, Wissenschaft und Kultur. Angekündigt haben sich unter anderem Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und CDU-Chefin Angela Merkel. Beim Forum "Landleben" ist Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) zu Gast.

Wie auch bei den vergangenen Kirchentagen sollen Fragen der Ökumene eine wichtige Rolle spielen. Der Frankfurter Kirchentag ist der letzte vor dem ersten ökumenischen Kirchentag, der 2003 in Berlin stattfinden wird. Zahlreiche katholische Bischöfe und Laienvertreter beteiligen sich bereits jetzt an Arbeitsgruppen, Foren und Gottesdiensten. Für Diskussionen hatte im Vorfeld das sogenannte ökumenische Feierabendmahl gesorgt. Der katholische Limburger Bischof Franz Kamphaus hatte es Katholiken aus theologischen Gründen verboten, an den Feierabendmahlen auf dem Kirchentag teilzunehmen. Kurz vor dem Laientreffen sei aber plötzlich Ruhe in der Streitfrage eingekehrt, erklärte Generalsekretärin Woldt.

Als Wahrzeichen des Kirchentags hat der Künstler Manfred Stumpf zwölf Meter hohe Gipfelkreuze auf Wolkenkratzern angebracht. Die umstrittene Installation soll an die Christusfigur in Rio de Janeiro erinnern. Das Protestantentreffen findet bereits zum vierten Mal seit der Gründung 1948 in Frankfurt am Main statt. Von den Kirchentagen sind Impulse zum Dialog mit anderen Religionen, zur deutschen Teilung und zur Friedens- und Umweltdiskussion ausgegangen. Daneben sind die Kirchentage aber auch ein spirituelles Fest. Vor allem junge Menschen prägen inzwischen das Bild auf den Kirchentreffen.

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