Kirche : Wer folgt Mixa – und wann?

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat an den Vatikan appelliert, über das Rücktrittsgesuch des umstrittenen Augsburger Bischofs Walter Mixa möglichst rasch zu entscheiden.

Augsburg/München - Eine lange Hängepartie wäre den Katholiken im Bistum Augsburg nicht zuzumuten, sagte ihr Sprecher Christian Weisner. Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats Helmut Mangold mahnte zudem, nach der Entscheidung über das Rücktrittsangebot dürfe es dann nicht wieder ein Jahr dauern, bis ein neuer Bischof ernannt wird. Das sei nötig, weil Mixa auch als katholischer Militärbischof zurücktreten wolle. In der schwierigen Lage in Afghanistan bräuchten die katholischen Soldaten und ihre Familien schnell wieder einen handlungsfähigen Militärbischof.

Zur 40-jährigen Feier des Diözesanrats des Bistums Augsburg am Sonnabend wird Mixa von Weihbischof Anton Losinger vertreten. Mixa weilt an einem „geheimen“ Ort zur Erholung; er könnte sich in Ancona aufhalten, war aus seinem Umfeld zu hören. Er bleibt bis zu einer Entscheidung des Heiligen Stuhls über sein Rücktrittsgesuch formal im Amt und wird durch Generalvikar Prälat Karlheinz Knebel vertreten. Als möglicher Nachfolger werden neben Knebel auch Weihbischof Losinger und Domkapitular und Prälat Bertram Meier genannt. Diözesanratsvorsitzender Helmut Mangold forderte, der Vatikan müsse „so schnell wie möglich“ über die Nachfolge entscheiden.

Das Rücktrittsgesuch des belgischen Bischofs von Brügge wegen Kindesmissbrauchs hat Papst Benedikt XVI. am Freitag nur eine Stunde nach dessen Bekanntwerden angenommen.

Der Vorsitzende der bayerischen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, warnte vor einer Vorverurteilung seines Amtsbruders. Auch Mixa wünsche, dass die Prügel- und Untreuevorwürfe objektiv geklärt werden. Das müssten Fachleute tun: „Mit einer Bewertung der Vorgänge sollten wir uns also Zeit lassen, bis endgültige Ergebnisse vorliegen.“

Mixas spätes „Ohrfeigen“-Geständnis hat der Kirche nach Auffassung von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) erheblich geschadet. Er hätte sich ein ehrlicheres Verhalten gewünscht, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Offenbar liege bei Mixa eine Art Sonderbewusstsein vor: „Er meinte, durch Amt, durch Weihe sei er etwas anderes als andere Menschen.“ sib/dpa/AFP/ddp

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