Politik : Kirchen fordern, Arbeit und Wohlstand gerechter zu teilen

Bischöfe beklagen tiefe Kluft zwischen arm und reich / Kanzler Kohl: Thesen fordern zur Diskussion heraus BONN/BERLIN (AP/rtr/dpa/M.G.).Eine gerechtere Verteilung von Arbeit und Reichtum haben die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland gefordert.In dem in Bonn vorgestellten Wort "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit" beklagten sie "tiefe Risse", die durch das Land gingen.Dazu gehörten vor allem die Auswirkungen der Massenarbeitslosigkeit, die wachsende Kluft zwischen Wohlstand und Armut und der noch nicht geschlossene Riß zwischen Ost und West.In Berlin erklärte Kardinal Sterzinsky, das Papier weise auf Fehlentwicklungen hin, die unter der Führung der CDU eingetreten seien. -Gegenüber der Massenarbeitslosigkeit dürfe es keine Resignation geben, erklärt das Sozialpapier des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz.Es bestünden durchaus Voraussetzungen dafür, die Arbeitslosenzahlen deutlich zu reduzieren."Produktion und Volkseinkommen sind in Deutschland so hoch wie nie zuvor", heißt es in dem Kirchenpapier."Deutschland verfügt über eine moderne, gut ausgebaute Infrastruktur und eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur." Obwohl es kein Patentrezept für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gebe, stünden doch zahlreiche erfolgversprechende Mittel zur Verfügung.Dazu gehöre das "Teilen von Arbeit zusammen mit dem Teilen von Einkommen" ebenso wie eine öffentlich geförderte Arbeit. Kritik übten die Kirchen an der gegenwärtigen sozialen Situation in Deutschland."Die katastrophale Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weder für die betroffenen Menschen noch für den sozialen Rechtsstaat hinnehmbar", heißt es in dem Papier.Die Armut sei in einer Wohlstandsgesellschaft ein Stachel.Ihre Sorge gelte ebenso den Familien."Mehrere Kinder zu haben ist heute zu einem Armutsrisiko geworden und Mehrkinderfamilien sind sogar extrem benachteiligt." Solidarität und Gerechtigkeit sind nach Ansicht der Kirchen die Maßstäbe für eine zukunftsfähige und nachhaltige Wirtschafts- und Sozialpolitik. Bundeskanzler Kohl (CDU) wertete das Sozialwort als hilfreichen Beitrag zur politischen Diskussion.Der CDU-Vorsitzende erklärte, der Text enthalte ein klares Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft und mache auch deutlich, daß Zukunftsfähigkeit die Bereitschaft zu Reformen voraussetze.Er halte dies für ebenso hilfreich wie die Aufforderung zu konzertierten Bemühungen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.Das Papier enthalte viele einzelne Überlegungen, über die in manchen Punkten notwendigerweise auch kontrovers diskutiert werden müsse. Die beiden Berliner Bischöfe, Huber und Sterzinsky, erklärten, die Kirchen wollten einen Beitrag zur Kurskorrektur in einer Gesellschaft leisten, in der die Schere zwischen Wohlstandsleben und Armut weiter auseinandergeht.Die Kirchen hätten den Mut, auf Fehlentwicklungen hinzuweisen, die unter der CDU-Regierung entstanden sind, sagte der katholische Erzbischof, Kardinal Georg Sterzinsky.Marktwirtschaft pur ohne soziale Verpflichtung führe zu Ungerechtigkeit und hebe die Demokratie auf.Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, verwies auf die schwierige Situation in Ostdeutschland und wandte sich gegen eine weitere Kürzung öffentlich geförderter Arbeit.

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