Politik : Kirchen wollen besser zusammenarbeiten

„Charta Oecumenica“ unterzeichnet / Kardinal Kasper kritisiert gemeinsames Abendmahl

Martin Gehlen

Berlin. Mit der Unterzeichnung der „Charta Oecumenica“ haben sich 16 Kirchen in Deutschland die Abendmahlsgemeinschaft zum Ziel gesetzt. Die Zeremonie am Freitag war einer der Höhepunkte des Ökumenischen Kirchentages. Das Dokument gilt als ökumenischer Meilenstein und war bereits vor zwei Jahren auf europäischer Ebene unterzeichnet worden. Ziel sei es, „die unter uns noch bestehenden Spaltungen zu überwinden“, heißt es im Vorwort. Die Kirchen verpflichten sich, ihren Beitrag zur Einheit Europas und zur Wahrung der Menschenrechte zu leisten. Neben der katholischen Kirche gehören zu den Unterzeichnern protestantische, anglikanische und orthodoxe Kirchen.

Der am Vorabend von Reformgruppen gestaltete katholische Gottesdienst mit offener Kommunion rief gemischte Reaktionen hervor. Der Päpstliche Ökumene-Beauftragte, Kardinal Walter Kasper, kritisierte indirekt die demonstrative Feier. Öffentlicher Druck und öffentliche Polemik helfe nicht weiter in einer Frage, welche Wahrheitsüberzeugungen und Gewissensentscheidungen betreffe, sagte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Kasper betonte aber auch, die jüngste Enzyklika des Papstes zur Eucharistie versperre nicht den Weg für verantwortliche individuelle pastorale Lösungen. „Ich habe es auch noch nie erlebt und noch weniger jemals selbst praktiziert, dass jemand, der ernsthaft zur Eucharistie hinzugetreten ist, abgewiesen wurde“, sagte der Kardinal, der vorher zehn Jahre lang Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart gewesen war. „Die Eucharistiegemeinschaft ist das Ziel und damit die Herausforderung der Ökumene.“ Gerade deswegen dürfe sie nicht isoliert von allen anderen Fragen behandelt und angestrebt werden.

Kasper nannte die Ökumene einen Lernprozess, einen Zugewinn und einen Prozess der gegenseitigen Bereicherung. Auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, kritisierte den Gottesdienst in der Gethsemane-Kirche. Er erklärte: „Die Ungeduld der Menschen verstehe ich. Aber mit der Eucharistie darf man nicht spielen.“ Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, zeigte sich besorgt. Es sei „ganz gut“, wenn es bei dem Streben nach einer Annäherung von Katholiken und Protestanten „mal Grenzüberschreitungen gibt“. Denn diese machten „etwas bewusst, was wir als Schmerz empfinden“.

Der Sprecher des Kirchenvolksbegehrens „Wir sind Kirche“, Christian Weisner, nannte den Gottesdienst in der Gethsemane-Kirche dagegen „ein großes Hoffnungszeichen für die Ökumene“. Als „Ausdruck klerikaler Arroganz“ wertete der Tübinger Theologe Hans Küng die Äußerungen von Kardinal Georg Sterzinsky, ein gemeinsames Abendmahl spiele auf dem Kirchentag so gut wie keine Rolle und sei „ein Thema vorrangig für Theologen“. Unterdessen mehren sich die Stimmen, die weitere Ökumenische Kirchentage fordern. Nach Auskunft des Ökumene-Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Paul Werner Scheele, gibt es bereits einen ersten Vorbereitungstermin. Das nächste ökumenische Christentreffen soll offenbar im Jahr 2008 stattfinden.

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