• Kirgisischer Präsident: "Russland ist in seiner Existenz bedroht" - die Föderation könnte an den Konflikten zerbrechen

Politik : Kirgisischer Präsident: "Russland ist in seiner Existenz bedroht" - die Föderation könnte an den Konflikten zerbrechen

Christoph von Marschall

Die terroristischen Anschläge in Moskau und die Sezessionsbewegungen im Kaukasus bedrohen nach Ansicht des kirgisischen Präsidenten Askar Akajew den Bestand Russlands. "So wie die Entwicklung 1991 zur Auflösung der Sowjetunion geführt hat, können die jüngsten Ereignisse zum Zerfall der russischen Föderation führen", sagte Akajew im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Im Gegensatz zum Ende der UdSSR, das den Sowjetrepubliken die Unabhängigkeit wiedergegeben habe, werde ein Zerfall Russlands katastrophale Folgen haben und Osteuropa sowie Zentralasien in eine langanhaltende Instabilität stürzen, warnte der 55-Jährige. "Daraus kann sich ein endloser und fürchterlicher Bürgerkrieg entwickeln, wie wir ihn seit Jahrzehnten in Afghanistan erleben." Wenn eine Gesellschaft jedoch erst einmal zwanzig Jahre Krieg erlebt habe, tue sie sich sehr schwer, wieder zur Normalität zu finden. "Die Menschen gewöhnen sich daran, von Waffen- oder Drogenschmuggel und anderen kriminellen Geschäften zu leben."

Der Präsident Kirgistans, der Deutschland gerade einen Staatsbesuch abstattet, forderte den Westen auf, die Gefährdung Russlands durch die Islamisten als "internationale Bedrohung" zu begreifen und Moskau bei der Abwehr zu unterstützen. "Die Terroristen bekommen eindeutig Unterstützung aus dem Ausland." Auf die Frage, welche Staaten er meine, sagte Akajew: "Die Länder, von denen allgemein bekannt ist, dass sie den Terrorismus und die religiösen Fanatiker unterstützen." Die Kämpfer, die versuchten, Kirgistan zu destablisieren, hätten ihre Ausbildung in Afghanistan und Tschetschenien erhalten. Akajew dankte für die deutsche Hilfe bei der Abwehr des organisierten Verbrechens, etwa durch Entsendung von BKA-Spezialisten. "Gegen eine solche Gefahr müssen wir mit den Kräften der ganzen Welt kämpfen, die eines Landes reichen dafür nicht aus."

Deutschland sei für Kirgistan "der Schlüssel" zum Westen, betonte Akajew. Die deutsche Botschaft in der Hauptstadt Bischkek sei als einzige westeuropäische "zugleich die Botschaft der EU". Der habilitierte Ingenieur und Mathematiker kündigte an, er werde 2000 nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. "Das müssen Jüngere machen." Er wolle in die Wissenschaft zurückkehren.

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