Politik : Klare Botschaft

Mit der Veröffentlichung vertraulicher Papiere über das Internetportal kann die Welt nachlesen, was US-Diplomaten wirklich denken. Welche Bedeutung haben die Dokumente?

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Es ist die weltweit größte Enthüllung vertraulicher Regierungsdokumente. Das Internetportal Wikileaks hat mehreren Medien insgesamt 251 287 Dokumente des US-Außenministeriums zur Verfügung gestellt – Depeschen von US-Botschaften aus aller Welt an das State Department, aber auch Anweisungen aus Washington. Der „Spiegel“, der britische „Guardian“, die „New York Times“, „Le Monde“ und die spanische Zeitung „El Pais“ veröffentlichten umfassende Berichte. Allein beim „Spiegel“ recherchierten 50 Redakteure und Dokumentare fünf Monate lang. Aber anders als bei der Enthüllung der US-Militärberichte aus dem Irak im Oktober hat Wikileaks diesmal nicht alles ins Internet gestellt. Bis Montagabend waren nur 243 Dokumente verfügbar, weniger als 0,1 Prozent des gesamten Materials. Den großen Rest will Wikileaks schrittweise in den kommenden Monaten veröffentlichen. Andernfalls könne man dem Material nicht gerecht werden, so die Argumentation von Wikileaks. Dies macht es unmöglich, sich ein Bild von den Depeschen zu machen, ohne auf die Einschätzung der großen Medien zurückzugreifen. Nur sechs Prozent der Dokumente sind als „geheim“ eingestuft, mehr als 100 000 als „vertraulich“. Streng geheime Dokumente sind nicht dabei. In den Berichten für Washington beschreiben die Emissäre die Lage im Gastland, bewerten das politische Personal und berichten über Treffen mit Regierungsvertretern. In ihren Texten wird die US-Sicht auf die Welt deutlich. Zugleich sind es Werkstattberichte aus der Diplomatie der letzten verbliebenen Supermacht. Unterzeichnet wurden die Texte in der Regel vom Botschafter, wie etwa der Bericht aus Berlin mit dem Titel „Kanzlerin Angela ,Teflon’ Merkel im Rampenlicht“.

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