Politik : Klatschblatt-Gerüchte (Glosse)

Thomas Kröter

Gerüchte sind das halbe Leben. Auch hier, hinter den Linden. Zum Beispiel: Helmut Dietl verfilmt Helmut Kohls Leben. Von "Rossini" zu Don Kohleone - ein gerader Weg der Filmgeschichte. Gut, dass man manchmal zum Friseur muss, da blättert man in Zeitschriften, mit denen sich ein ernsthafter Parlamentskorrespondent sonst nie erwischen ließe. Schon schweift die Phantasie. Wer hat Kohlformat? Traugott Buhre oder doch lieber Dieter Pfaff? Wer gibt die Hannelore? Veronika Ferres? Kaum, die und Dietl haben sich ja getrennt. So casten wir, während die Schere klappert. Aber vielleicht ist die Gedankenarbeit ja vergeblich. Das Klatschblatt "Gala" misst dem selbst verbreiteten Gerücht nur eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent bei. Etwa so wie jenes, der Kanzler habe wieder eine Currywurst gesündigt. Ein anderes Gerücht kommt sogar nur 15-prozentig ins Blatt. Da fährt dem ernsthaften Parlamentskorrespondenten ein Schreck durch die Glieder. Wenn wir anfangen müssten, die von uns seriös verbreiteten Gerüchte mit Wahrscheinlichkeitssiegel zu versehen. Etwa: Schröder streitet mit Scharping - 70 Prozent; Wiefelspütz wird Verfassungsschutzpräsident - 90 Prozent; Rüttgers wird Kanzlerkandidat - ein Prozent. Ob dann manches politische Gerücht nicht mehr in die Welt käme? Igitt. Nein, dann nehmen wir uns doch lieber kein Beispiel am Klatschblatt. Sonst würde die politische Welt am Ende noch ganz langweilig.

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