Politik : Kleiderordnung

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Hat die Socke Umgangsformen? Kennt der Sakko Benimm? Übt der Hut höfliche Zurückhaltung? Fragen, merkwürdige, so will es scheinen, aber man wird ihnen Aufmerksamkeit widmen müssen. Denn wie uns scheint, haben wir etwas verpasst. Wir haben unsere Kleidung für dumme, seelenlose Stücke Stoff und Filz und Leder gehalten. Guido Westerwelle aber hat uns die folgende Beobachtung aus der jüngsten Bundestagsgroßdebatte überliefert: „Diese Regierung hat ein Benehmen wie eine offene Hose.“

Nun lässt sich über das Benehmen der Bundesregierung während solcher Großdebatten vielerlei sagen. Zum Beispiel, dass in früheren, strengeren Epochen der Schüler Joschka Fischer von dem Herrn Lehrer eins mit dem Lineal auf die Pfoten bekommen hätte, wenn er sich in seiner Schulbank so hingelümmelt hätte wie der Herr Außenminister auf die Regierungsbank. Otto Schily hätte fürs Tuscheln in die Ecke gemusst. Und der Kanzler, wenn er wieder mal dazwischenquatscht, während vorne an der Tafel sich die Schülerin Merkel zu beweisen müht, warum 20 plus 10 ein negatives Ergebnis hat – der Kanzler hätte hundert Mal den Satz aufschreiben müssen: „Ich darf Angela nicht immer durcheinander bringen.“

So verhalten sie sich. Wie eine offene Hose eben. Oder eher wie ein löchriger Handschuh? Oder wie ein ausgefranster Schlips? Oder gar, horribile dictu, wie eine bemalte Schuhsohle?!

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben