Politik : Kleine Geschichte Südafrikas: Ein bisschen Normalität

Martin Gehlen

Über Jahrzehnte zählte Südafrika zu den Paria-Nationen. Heute ist es respektiertes Mitglied der Staatenfamilie. Die Regionalmacht am Kap gilt als Vorbild und wirtschaftlicher Motor des ganzen Kontinents. Mit der Wahl von Nelson Mandela zum Präsidenten 1994 verschwand die Apartheid als Politik von der Bildfläche, obwohl ihre Folgen das Leben des Landes nach wie vor schwer belasten. Dennoch, ein wenig Normalität ist in Südafrika eingekehrt.

Albrecht Hagemann schildert die historischen Epochen, angefangen von den Ursprüngen der Menschheit, über Steinzeit und Bantu-Vorherrschaft bis zur europäischen Besiedlung, die 1652 begann. Anfangs diente die Südspitze Afrikas europäischen Handelsschiffen als Zwischenstation auf dem Weg nach Asien und China, weil den Kaufleuten der Landweg wegen der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen nicht mehr offen stand. Die einsetzende Besiedlung durch die Weißen jedoch mündete in ein jahrhundertelanges blutiges Ringen zwischen Weißen und Schwarzen um Landbesitz, Bodenschätze und politische Rechte.

Kenntnisreich schildert Hagemann vor allem die politische und wirtschaftliche Entwicklung des 19. und 20. Jahrhundert, den Kampf zwischen weißen Afrikanern und Engländern sowie den brutalen Aufbau des Apartheid-Systems. Mit dem Ende der weißen Rassentyrannei verbindet sich vor allem ein Name: Nelson Mandela. Sein Werdegang, seine Gefangenschaft, der komplizierte Prozess seiner Freilassung sowie seine souveräne Alterskarriere als erster schwarzer Präsident des Landes runden die Darstellung ab.

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